Katholische Kirche: Papst lehnt Rücktritt von Kardinal Marx ab

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Papst Franziskus hat den Rücktritt des Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, abgelehnt.

Zudem hätten die Reaktionen auf Marx' Angebot gezeigt, "dass er ein sehr hohes Ansehen genießt und man den Ernst, wie er mit der extrem schwierigen Lage der katholischen Kirche in Deutschland umgeht, sehr gewürdigt hat", sagte der Präsident des höchsten deutschen katholischen Laiengremiums.

Gottes Mühlen mahlen bekanntlich langsam - vor allem im Vatikan.

Die Reaktionen auf den Entschluss des Papstes fielen unterschiedlich aus: Der deutsche Kirchenrechtler Thomas Schüller sieht in der Ablehnung des Rücktrittsgesuch einen Aufruf zu Reformen.

Der Papst forderte Marx auf, weiter im Amt zu bleiben. "Mach weiter, so wie Du es vorschlägst, aber als Erzbischof von München und Freising", schrieb das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem Brief an Kardinal Marx, den der Heilige Stuhl am Donnerstag veröffentlichte.

"Ich stimme Dir zu, dass wir es mit einer Katastrophe zu tun haben: der traurigen Geschichte des sexuellen Missbrauchs und der Weise, wie die Kirche damit bis vor Kurzem umgegangen ist", hieß es in Franziskus' Schreiben weiter. Eine "Vogel-Strauß-Politik" helfe nicht weiter. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass er so schnell reagieren würde und auch seine Entscheidung, dass ich meinen Dienst als Erzbischof von München und Freising weiter fortführen soll, habe ich nicht so erwartet", teilte er in einer schriftlichen Stellungnahme mit. "Danach einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen, kann nicht der Weg für mich und auch nicht für das Erzbistum sein". Die Untersuchungen und Gutachten der zurückliegenden zehn Jahre zeigten für ihn durchgängig, dass es "viel persönliches Versagen und administrative Fehler" gegeben habe, aber "eben auch institutionelles oder systemisches Versagen". Der Papst greife in seinem Brief "vieles auf, was ich in meinem Brief an ihn benannt habe, und gibt uns wichtige Impulse". Wir müssen für die Geschichte Verantwortung übernehmen, sowohl als einzelner als auch in Gemeinschaft. "Das anzunehmen bedeutet, sich der Krise auszusetzen". Oder ist es ein Rüffel für den berühmten Erzbischof und Kardinal und die Aufforderung, nicht den Kopf in den Sand zu stecken?

Der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sagte, er könne seine Erleichterung "nicht verhehlen".

Marx ist nicht nur einer der prominentesten katholischen Geistlichen in Deutschland, sondern auch ein enger Berater des Papstes. "Die Botschaft: Wir können vor der strukturellen Sünde und Schuld des sexuellen Missbrauchs nicht fliehen - sondern müssen ihr gemeinsam ins Auge schauen".

Er empfinde die Entscheidung des Papstes allerdings "als große Herausforderung", sagte Marx, der wegen des Missbrauchsskandals in der Kirche zurücktreten wollte, laut Mitteilung. Und für den Sommer werde ein Gutachten im Erzbistum München und Freising erwartet - auch hier müsse sich Marx der Verantwortung stellen, so Schüller. Marx hat Fehlverhalten im Umgang mit einem Täter in seiner Zeit als Bischof von Trier eingeräumt.

Marx ist einer der bekanntesten Bischöfe Deutschlands und war bis 2020 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. "Das mag schmerzlich sein, aber der Papst erspart Marx nicht diesen Gang".

Schüller hatte vor Bekanntwerden der Papst-Entscheidung zu bedenken gegeben, dass es auch gar nicht so leicht werden würde, Marx im Fall der Fälle zu besetzen: "Da neben München auch Hamburg und Köln möglicherweise zu besetzen sein werden, stellt sich für Rom grundsätzlich die Frage, wo die neuen Erzbischöfe überhaupt herkommen sollen. Denn die katholische Kirche in Deutschland leidet unter einem eklatanten Mangel an Klerikern, die für das Bischofsamt überhaupt in Frage kommen". Daniel Bogner, Professor für theologische Ethik an der Universität Freiburg in der Schweiz, glaubt dagegen, dass Franziskus sich nicht allzu lange Zeit lassen wird. "Ein eventuell dann doch notwendiger Rücktritt würde auch den Papst belasten".

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