Missbrauch in der Kirche: Erzbischof Marx bietet Papst Rücktritt an

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"Es ist offensichtlich, dass sein Schritt erneut alle deutschen Bischöfe herausfordert, sich mit der Frage nach der Verantwortungsübernahme und dem Angebot eines Rücktritts auseinanderzusetzen", betonte der Trierer Bischof.

Der Münchner Kardinal Marx hatte zuvor überraschend Papst Franziskus den Verzicht auf sein Amt angeboten.

Im ZDF lobte Bätzing am Freitagabend die Souveränität der Entscheidung von Marx.

Für die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Geistliche ist es laut Rossnagel wichtig, "Menschen zu haben, denen sie nicht nur ihre schrecklichen Erlebnisse erzählen können, sondern die auch die Verantwortung dafür übernehmen, dass ihr Leid von der Kirche lange Jahre nicht anerkannt wurde". "Ich glaube, der Punkt dieser Souveränität, der ist in Köln einfach überschritten".

Der Papst hatte kürzlich mitgeteilt, dass der Kölner Kardinal Woelki von zwei Apostolischen Visitatoren - Bevollmächtigten - überprüft wird. Denn im Zentrum des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche in Deutschland stehen seit Monaten der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki und der Hamburger Erzbischof Stefan Heße. Dafür hätten die Bischöfe zusammen mit den Laien - den Nicht-Klerikern - den Reformprozess Synodaler Weg initiiert.

Auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf teilte mit, er nehme die Entscheidung mit großem Respekt wahr. So forderte Bätzing ein neues Verhältnis der Kirche zur Macht und zur Gewaltenteilung.

Das Rücktrittsgesuch von Kardinal Reinhard Marx sei für ihn eine große Überraschung gewesen, sagte Bätzing, und "auch ein Schock". Meldet die Tagespost: "Marx gehe es darum, Mitverantwortung für die "Katastrophe des sexuellen Missbrauchs zu tragen". Die Untersuchungen und Gutachten der zurückliegenden zehn Jahre zeigten für ihn durchgängig, dass es "viel persönliches Versagen und administrative Fehler" gegeben habe, aber "eben auch institutionelles oder systemisches Versagen". Seine Bitte um Annahme des Amtsverzichts sei eine ganz persönliche Entscheidung.

Das Rücktrittsangebot von Kardinal Reinhard Marx ist aus Sicht der Reformbewegung "Wir sind Kirche" "nachvollziehbar, konsequent, strategisch klug und letztlich überfällig".

Für einen Neuanfang in der katholischen Kirche brauche es neue Personen - vor allem solche, die nicht durch langwierige Aufarbeitungsprozesse gebremst würden.

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