Kardinal Reinhard Marx: Rücktritts-Angebot an Papst Franziskus

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"Tatsächlich haben die Verbrechen systemische Schwachstellen in der Kirche offengelegt, die ebenso nach systemischen Antworten rufen", wird Bätzing in der Mitteilung zitiert. Juristische Aufarbeitung und Änderungen in der Verwaltung allein reichten nicht aus.

"Marx ist nicht irgendjemand", sagt auch der geistliche Begleiter des Synoldalen Weges, Pater Bernd Hagenkord, über den langjährigen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Bis zu einer Entscheidung über den Rücktrittswunsch soll er seinen bischöflichen Dienst weiter ausüben.

Kritisch sieht den möglichen Rücktritt unter anderem der Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese München und Freising, Hans Tremmel. "Ich bin tief erschüttert - da geht der Falsche", sagte Sternberg am Freitag der "Rheinischen Post" aus Düsseldorf. Er schätze ihn außerordentlich. Marx habe bei der Missbrauchsaufarbeitung und beim synodalen Weg viel geleistet.

Einer der prägendsten deutschen Bischöfe tritt ab: Der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat Papst Franziskus gebeten, ihn aus dem Bischofsamt zu entlassen. Und der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sagte der dpa, der Schritt zeige "die Dimension und die Verwerfungen auf, zu denen das Bekanntwerden von Kindesmissbrauch in den eigenen Reihen geführt" habe. In der Reformdebatte der katholischen Kirche in Deutschland, dem "Synodalen Weg" hatte er Reformen befürwortet.

Marx spielte damit ganz offenkundig auf den Kölner Kardinal Woelki an.

Der Schritt sei ein Ausrufezeichen an die Kirche, auf dem Weg der geistlichen Erneuerung voranzuschreiten.

Marx teilte dem Papst mit, er habe in den vergangenen Monaten immer wieder über einen Amtsverzicht nachgedacht.

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller hält die Entscheidung des Kardinals für einen souveränen Schritt, an dem sich andere Bischöfe nun messen lassen müssten. "Kardinal Marx übernimmt mit diesem aufsehenerregenden Schritt einerseits persönlich Verantwortung für seine persönlichen Versäumnisse als Bischof von Trier und als Erzbischof von München-Freising, was die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch angeht", sagte Schüller.

Die katholische Kirche sei an einem "toten Punkt" angekommen, sagte Marx demnach. Die Betroffenen würden erwarten, dass Zeichen einer Übernahme von Verantwortung gesetzt werden. "Ich kann die Entscheidung von Kardinal Marx verstehen", teilte er in Bonn mit. Er wolle mit seinem Rücktrittsangebot "Mitverantwortung" für die "Katastrophe des sexuellen Missbrauchs" durch Amtsträger der katholischen Kirche übernehmen. "Sei so mutig wie ich und stoße endlich Reformen an".

Nachdem im Jahr 2010 massenhafte Fälle von sexuellem Missbrauch von Priestern an Kindern und Jugendlichen bekannt geworden waren, habe er in einer Predigt betont: "Wir haben versagt", erinnert sich Marx bei jenem womöglich historischen Statement. Sollte der Rücktritt von Papst Franziskus angenommen werden, "dann fehlt uns eine ganz wichtige Persönlichkeit im deutschen Katholizismus". Mai hat er das dem Oberhaupt der katholischen Kirche in einem Brief mitgeteilt.

"Gleichzeitig stellt Kardinal Marx in seiner Erklärung die systemischen Ursachen sexualisierter Gewalt in der Kirche in den Mittelpunkt - und fordert zu strukturellen Reformen auf."In dieser Forderung zeige sich, so der BDKJ-Bundesvorsitzende, dass Marx einer derjenigen Bischöfe ist, welche die Notwendigkeit systemischer Veränderungen in der Kirche erkannt hätten".

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