Herero und Nama: Deutschland erkennt Kolonialverbrechen in Afrika als Völkermord an

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Es ging zum einen um die Frage, wie die Vernichtung und Vertreibung zehntausender Angehöriger der beiden namibischen Volksgemeinschaften durch Truppen des Deutschen Reiches zu bewerten sei. Während des Herero-und-Nama-Kriegs von 1904 bis 1908 im damaligen Deutsch-Südwestafrika begingen die Kolonialherren einen Massenmord, der als erster Genozid des 20. Jahrhunderts gilt.

Die Bundesregierung hat vor diesem Hintergrund auch immer wieder betont, dass es aus ihrer Sicht keinen Rechtsanspruch auf Entschädigung gibt. Dass sie nun trotzdem eine Summe von 1,1 Milliarden Euro locker macht, sieht sie als politisch-moralische Verpflichtung. Es sei eine "Geste der Anerkennung des unermesslichen Leids, das den Opfern zugefügt wurde", sagte Maas. Eine offizielle Bitte um Vergebung soll Berichten zufolge durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einem Festakt im namibischen Parlament erfolgen. Zudem will Deutschland Namibia in den nächsten 30 Jahren 1,1 Milliarden Euro Aufbauhilfe zahlen. Sie sollen insbesondere beim Kauf von Land, in der Landwirtschaft, bei der Versorgung mit Wasser und in der Berufsbildung unterstützt werden. Geplant ist auch, dass der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) zur Unterzeichnung der Erklärung nach Windhoek reist, wie namibische Teilnehmer an den Verhandlungen der Deutschen Presse-Agentur mitteilten. Offiziell angekündigt wurde das vom Bundespräsidialamt aber noch nicht. "Unser Ziel war und ist, einen gemeinsamen Weg zu echter Versöhnung im Angedenken der Opfer zu finden". Maas betonte, dass dies aber keinen Schlussstrich unter die Vergangenheit bedeute.

Bei der Gestaltung und Umsetzung des Programms würden die vom Völkermord betroffenen Gemeinschaften eine entscheidende Rolle einnehmen.

An den Gesprächen nahmen Abgesandte der Regierungen beider Länder sowie Vertreter der Nama und Herero teil.

Nach Angaben ihrer deutschen Vertreterin haben beide Gruppen zudem eine entsprechende Petition im Bundestag eingebracht.

Deutschland hatte sich ab 1884 Kolonien in Afrika, Ozeanien und Ostasien angeeignet. Die gewaltvolle Herrschaft der Deutschen führte zu Aufständen und Kriegen. Auch der Begriff "Heilung der Wunden" wurde als unzureichend abgelehnt.

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