Spahn will Kinderimpfung auch ohne Stiko-Empfehlung

Einstellen Kommentar Drucken

In diesem Fall könnten Eltern und ihre Kinder gemeinsam mit ihren Ärzten trotzdem eine individuelle Entscheidung treffen, sagte Spahn in der Sendung "Frühstart" der Sender RTL und ntv. Bislang darf der Biontech/Pfizer-Impfstoff ab einem Alter von 16 Jahren verabreicht werden.

Für den Antrag auf Zulassung für zwölf- bis 15-Jährige reichte für Hersteller Biontech/Pfizer ein Test an nur rund 1.000 Teenagern.

Gibt die Stiko eine allgemeine Impf-Empfehlung für alle Kinder?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) behält sich aber eigene Klärungen für eine mögliche Impfempfehlung vor. Berichten zufolge ist das unabhängige Fachgremium skeptisch hinsichtlich einer allgemeinen Impfempfehlung für alle Kinder.

Spahn sagte: "Der Impfstoff wäre dann, wenn die Europäische Arzneimittelagentur das macht, ein zugelassener Impfstoff auch für diese Altersgruppe". Schon vor Beginn der Sommerferien solle den ersten Kindern und Jugendlichen dann ein Impfangebot gemacht werden, erklärte er.

Eine Impfung als Voraussetzung zur Teilnahme am Präsenzunterricht ist aber offenbar nicht Teil der Pläne, wie Gesundheitsminister Spahn nochmals bekräftigte: "Ich sehe nicht, dass wir eine verpflichtende Impfung haben werden für den Schulbesuch". Bis 23. Mai sind nach Daten der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie knapp 1.550 Kinder und Jugendliche mit Covid-19 ins Krankenhaus gekommen, davon waren 37 Prozent jünger als ein Jahr.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern streben an, Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren bis Ende August ein Impfangebot zu machen - über die Umsetzung wollen am Donnerstag beim Impfgipfel Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten beraten. "Unsere Aufgabe ist es, dass es keine verlorene Generation gibt", sagte Laschet am Mittwoch beim Besuch eines Impfzentrums in Düsseldorf.

Die Impfkampagne werde nur so lange gut weiterlaufen, wie für Nachschub gesorgt werde, mahnte Laschet.

Bundesgesundheitsminister Spahn setzt aber weiterhin auf Corona-Schutzimpfungen für ältere Kinder und Jugendliche, auch wenn die Ständige Impfkommission (Stiko) dafür keine allgemeine Empfehlung aussprechen sollte. Eine Einigung gebe es derzeit noch nicht.

Kinderärzte haben unterdessen vor einer Pflicht zur Corona-Schutzimpfung für Kinder und Jugendliche gewarnt. Hauptargument ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis für die Betroffenen.

Kommissionsmitglied Rüdiger von Kries sagte am Dienstagabend im RBB, momentan wisse man kaum etwas über die Nebenwirkungen von Corona-Impfungen bei Kindern. Das Ziel einer Herdenimmunität solle hingegen durch die Impfung von Erwachsenen erreicht werden. Bas stellte zugleich klar, dass auch ohne eine generelle Empfehlung der Stiko eine Impfung von Kindern und Jugendliche im Rahmen der Zulassung möglich sein werde. "Ich jedenfalls werde den Rat der Stiko abwarten", sagt Ramelow den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). Vielmehr werde es vermutlich eine Indikationsimpfung geben, bei der nur schwer kranke Kinder je nach individuellem Risiko geimpft würden.

Dass Kinder nur mit Impfung am Präsenzunterricht teilnehmen können, schließt Ramelow dem Vorabbericht zufolge aus. Und noch eins ist klar: "Wenn Kinder geimpft werden, muss immer ein Erziehungsberechtigter dabei sein". "Der Bundesgesundheitsminister handelt unverantwortlich", zitieren die Zeitungen der Funke Mediengruppe Stiftungsvorstand Eugen Brysch.

Weltärztebund-Präsident Frank Ulrich Montgomery hat sich zudem gegen eine Empfehlung für eine Corona-Impfung von Kindern zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen.

Klar sei aber, dass der Krankheitsverlauf bei Kindern deutlich geringer und weniger gefährlich sei als bei Erwachsenen oder Betagten. SPD-Fraktionsvize Bärbel Bas sagte den Blättern: "Ich gehe davon aus, dass die Stiko eine Liste von Krankheiten erstellen wird, bei denen sie die Impfung für Kinder empfiehlt".

Letztlich könnte die Studienlage auch ergeben, dass das Risiko einer Impfung von Kindern größer sei als das einer Erkrankung in dieser Altersgruppe. Man müsse klären, ob die Impfung wirklich die einzige und richtige Lösung sei.

Comments