Scharfe Reaktionen auf erzwungene Landung in Minsk — EU sperrt Belavia

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Auch Gesellschaften wie Air France, Finnair und die polnische Lot weichen sicherheitshalber auf andere Strecken aus. "Wir erwarten, dass der EU-Außenministerrat schnellstmöglich nicht nur ausnahmslos alle Verantwortlichen für die Flugzeugentführung sanktionieren wird". Der Kanal "Nexta" hat zurzeit etwa eine Million Abonnenten und gilt als eine der wichtigsten Informationsquellen für die Opposition über die Proteste in Belarus, die nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl im August 2020 begonnen hatten.

Auch britische Flugzeuge sollen auf Anordnung der Regierung in London den belarussischen Luftraum meiden.

Über einen für Mittwoch geplanten Flug aus Frankfurt nach Minsk sei noch nicht entschieden, sagte er. Außerdem darf die staatliche, weißrussische Fluggesellschaft Belavia nicht mehr in der EU landen und auch deren Luftraum nicht mehr durchfliegen.

Die EU erweitert wie berichtet zudem die bestehende Liste mit Personen und Unternehmen, gegen die Vermögenssperren und Einreiseverbote gelten. Aus Minsk gab es zunächst keine Reaktionen darauf.

Seit Sonntag sitzt der belarussische Aktivist in Untersuchungshaft, nach einer spektakulären Festnahmeaktion. Borrell nannte den mit Militärgewalt durchgesetzten Zwischenstopp der Ryanair-Maschine in Minsk einen "unzulässigen Schritt". International ist das Entsetzen groß.

"Ein Flugzeug zu einer ungeplanten Landung zu zwingen, um einen Journalisten und Blogger zu verhaften, markiert eine extreme Eskalation der Verbrechen des Regimes von Alexander Lukaschenko in Belarus", kommentierte der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, den Zwischenfall.

Ziel der Aktion war offensichtlich Protassewitsch, der aus Griechenland nach Litauen wollte, wo er zuletzt im Exil lebte. Die Form ist anders, auf dem ganzen Gesicht liegt irgendeine Puderschicht.

In einem Video meldete er sich am Montagabend zu Wort. Die Opposition vermutet, dass er für das Video zu einem "Geständnis" gezwungen worden sei. Darin bestätigte der gezeichnete Blogger, dass er im "Untersuchungsgefängnis Nr".

Was hat es mit der Verhaftung seiner Freundin auf sich?

Die Behörden in Belarus stufen Nexta als extremistisch ein. Protasewitsch wurden offenbar Kopfwunden zugefügt und anschließend notdürftig überschminkt.

Mehrere Fluglinien kündigten nach einer entsprechenden Aufforderung der EU an, den Luftraum über dem osteuropäischen Land bis auf Weiteres zu meiden. Protassewitsch und seine Partnerin Sofia Sapega müssten sofort freigelassen werden. Die erzwungene Landung in Weißrussland sei ein "inakzeptabler Vorfall". Auch neue Sanktionsdrohungen gegen Belarus stehen im Raum. Alle Behauptungen, Russland habe etwas damit zu tun, seien es nicht wert, kommentiert zu werden, sagte der Sprecher des Präsidialamtes, Dmitri Peskow, am Dienstag in Moskau. Russland als enger Verbündeter von Belarus will indes an Flügen über das Nachbarland festhalten.

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