Ermittler sichten Video von Seilbahnunglück in Italien

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Italienische Medien berichteten am Dienstag, dass die Staatsanwaltschaft unter anderem das Video einer Überwachungskamera gesichtet habe. Angesichts des Besucherandrangs - es war ein Wochenende der Lockerungen in Italien - wollten sie offenbar keine weitere Verzögerung in Kauf nehmen.

Nach dem Seilbahn-Unglück am Lago Maggiore in Italien mit 14 Toten sind nach Medienberichten drei Mitarbeiter der Seilbahn-Firma festgenommen worden. Mindestens einer der Verdächtigen habe der italienischen Polizei zufolge bei einem Verhör gestanden, die Notbremse manipuliert zu haben. Ermittelt wird zudem, weshalb das Notbremssystem nicht funktioniert hatte. Ein Kabelriss und eine nicht funktionierende Notbremse sollen für die Katastrophe verantwortlich sein. Eine Seilbahnkabine war kurz vor Erreichen der Gipfelstation abgestürzt, nachdem das Zugseil gerissen war. Nur ein kleiner Junge, der seine Familie bei dem Unglück verlor, überlebte. Am Mittwoch hätten die Ärzte den Beatmungsschlauch entfernt, der Bub sei kurz bei Bewusstsein gewesen, sagte der Direktor des Krankenhauses am Mittwoch vor Journalisten. Seine Tante und ein Psychologe waren bei ihm.

Mehrere der 15 Passagiere wurden aus der Gondel geschleudert.

Nach wie vor rätselhaft ist, warum die Bremsen der Gondel offensichtlich nicht funktioniert haben. Daraus ging hervor, dass "das Notbremssystem der abgestürzten Kabine manipuliert worden war" und dass die "Gabel", die Vorrichtung zur Deaktivierung der Bremse, eingesteckt worden war. Dabei handelt es sich um das Südtiroler Unternehmen Leitner, dass gemäß einem Wartungsvertrag die Kontrollen durchführt. Die Wartung sei gerufen worden, man habe aber das Problem nicht abschließend gelöst, sondern wohl nur teilweise.

Wie die italienische Zeitung "La Stampa" berichtet, sollen drei Verdächtige, unter anderem der Chef der Betreiberfirma und ein Ingenieur, in der Nacht in Untersuchungshaft gebracht worden sein. Darauf sei zu sehen, wie sich die Gondel am Sonntag kurz vor der Bergstation auf dem Monte Mottarone westlich des Lago Maggiore befunden habe, als plötzlich ein Seil riss und die Kabine talwärts abstürzte, hieß es.

Am 1. Dezember 2020 wurde laut Leitner der Unglücksfall vom Wochenende in einer Simulation getestet: Ein Zugseilriss sei simuliert und das anschließende Einfallen der Tragseilbremse durchgeführt worden. Einer Mitteilung der Firma zufolge sei zuletzt am 3. Mai dieses Jahres die hydraulische Bremsanlage der Fahrzeuge gewartet worden. Die täglichen und wöchentlichen Kontrollen liegen laut Leitner in der Verantwortung der Betreibergesellschaft Ferrovie del Mottarone.

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