Katholische Kirche: Kardinal Woelki gibt Fehler bei Aufarbeitung von Missbrauchsvergehen zu

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Kardinal Woelki steht seit Monaten in der Kritik, weil er ein Gutachten zu Missbrauch durch Kleriker im Erzbistum beharrlich unter Verschluss hält und stattdessen ein neues Gutachten in Auftrag gegeben hat, das am 18. März vorgestellt werden soll.

Köln - Das noch unveröffentlichte neue Missbrauchsgutachten für das Erzbistum Köln führt mehr als 300 Verdachtsmeldungen sowie mehr als 300 Opfer und über 200 Beschuldigte auf. Kardinal Rainer Maria Woelki steht unter Druck. So taucht nun auch der Fall eines Priesters auf, der Anfang der Achtzigerjahre in einem Internat im Erzbistum des sexuellen Missbrauchs beschuldigt und später als Pastor und Jugendseelsorger eingesetzt wurde. "Die Zahlen sind bekannt, da wir sie bereits in der Vergangenheit zu verschiedenen Anlässen kommuniziert haben", erklärte er am Samstag. Woelkis Vorgehen hat eine schwere Vertrauenskrise im größten deutschen Bistum ausgelöst.

Woelki, der zeitweilig wochenlang wie abgetaucht schien, äußert sich in dem Video und einem gleichlautenden Fastenhirtenbrief ausführlich und in deutlichen Worten zu der entstandenen Krise. Das Erzbistum sei von Rissen durchzogen, stellt er fest. Woelki weist diesen Vorwurf zurück.

Woelki versichert in seiner Botschaft: "Es war und ist meine Absicht, eine transparente, konsequente Aufklärung der Missbrauchsvergehen und ihrer systemischen Umstände in unserem Erzbistum zu erreichen - selbstverständlich auch im Blick auf meine eigene Person". Ein Kölner Anwalt wertete für die Studie 236 Aktenvorgänge systematisch aus, Zehntausende Seiten, darunter viele Personalakten.

Erzbischof Woelki hatte schon 2018 die umfassende Aufarbeitung sexueller Gewalt durch Priester im Erzbistum angekündigt. Der Untersuchungszeitraum reicht zurück bis 1975.

Auffällig ist, dass die jetzt veröffentlichten Zahlen deutlich höher liegen als jene aus der sogenannten MHG-Studie der Deutschen Bischofskonferenz. Gercke nannte hierfür mehrere Gründe: So betrachte sein Gutachten nicht nur Kleriker (also Priester, Diakone und Bischöfe), sondern auch nicht geweihte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Erzbistums. Das Erzbistum teilte über einen Anwalt mit, das Gutachten der Münchner Kanzlei sei "nicht geeignet, den Umgang mit Missbrauchsfällen in einer adäquaten Art und Weise aufzuarbeiten". Zudem sei "zwischen Verdachtsmeldungen und tatsächlichen (Straf-) Taten zu unterscheiden".

Auch das zurückgehaltene Münchner Gutachten kommt nach einem Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" (Samstag) zu ähnlichen Opfer- und Beschuldigtenzahlen wie Gercke.

Die Nachfrage nach Kirchenaustritten in Köln schnellte in den vergangenen Wochen dermaßen in die Höhe, dass das Amtsgericht sich gezwungen sah, die Zahl der Online-Termine zum Austritt aufzustocken. Aus den Termin-Buchungen ist die Konfession der betreffenden Bürger allerdings nicht abzulesen.

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