Kirche: Spiegel: Hohe Opferzahlen in neuem Missbrauchsgutachten - Politik

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Im Erzbistum Köln gibt es deutlich mehr Missbrauchstäter und -opfer als bisher angenommen. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Das von dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki in Auftrag gegebene Missbrauchsgutachten soll am 18. März veröffentlicht werden. Eine zuvor bei der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) beauftragte Untersuchung über den Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Fällen sexualisierter Gewalt lässt Woelki nicht veröffentlichen, weil sie nach Ansicht einiger Juristen "methodische Mängel" aufweist und nicht rechtssicher ist. Ein Kölner Anwalt wertete für die Studie 236 Aktenvorgänge systematisch aus, Zehntausende Seiten, darunter viele Personalakten. Der Untersuchungszeitraum reicht zurück bis 1975.

Köln - Das noch unveröffentlichte neue Missbrauchsgutachten für das Erzbistum Köln führt mehr als 300 Verdachtsmeldungen sowie mehr als 300 Opfer und über 200 Beschuldigte auf. So betrachte sein Gutachten nicht nur Kleriker, sondern auch nichtgeweihte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Erzbistums. Zudem sei "zwischen Verdachtsmeldungen und tatsächlichen (Straf-) Taten zu unterscheiden".

Woelki hat die umfassende Aufarbeitung sexueller Gewalt durch Geistliche im Erzbistum Köln versprochen, das mit etwa 1,9 Millionen Katholiken das größte Bistum im deutschsprachigen Raum ist. Woelki begründete dies zunächst mit einer ungeklärten Rechtssicherheit hinsichtlich der Identifizierbarkeit von Tätern. Auch das zurückgehaltene Münchner Gutachten kommt nach einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers (Samstag) zu ähnlichen Opfer- und Beschuldigtenzahlen wie Gercke.

Die Nachfrage nach Kirchenaustritten in Köln schnellte in den vergangenen Wochen dermaßen in die Höhe, dass das Amtsgericht sich gezwungen sah, die Zahl der Online-Termine zum Austritt aufzustocken. Aus den Termin-Buchungen ist die Konfession der betreffenden Bürger allerdings nicht abzulesen.

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