RKI-Chef warnt und rechnet mit mehr Corona-Ausbrüchen

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"Wir stehen möglicherweise erneut an einem Wendepunkt", sagte Lothar Wieler (60), Chef des Robert Koch-Institutes (RKI). "Der rückläufige Trend der letzten Wochen setzt sich offenbar nicht mehr fort".

Die Fallzahlen stagnierten, in vielen Bundesländern sei ein Plateau entstanden.

Noch offen ist dabei, ob dies auf die Virusvarianten zurückzuführen ist. Welche Rolle die Varianten des Coronavirus spielen, sei noch nicht klar, sagte Wieler weiter. Aber: "Der Anteil der Variante B117 steigt rasant an". Das mache die Bekämpfung der Pandemie noch schwieriger.

Wenn sich die zuerst in Großbritannien entdeckte Variante weiter ausbreite, werde es schwieriger, die Infektionszahlen auf einem niedrigen Niveau zu halten. In den kommenden Wochen rechne er daher mit mehr Corona-Ausbrüchen gerade auch bei Jüngeren. Es werden auch mehr junge Erwachsene, Jugendliche und auch Kinder erkranken.

Er warnte davor, die Corona-Beschränkungen nun leichtfertig zu lockern. Aber: "Jede unbedachte Lockerung beschleunigt das Virus und wirft uns zurück. Dann stehen wir in ein paar Wochen genau wieder an dem Punkt, wo wir Weihnachten waren". Das Virus habe eine Boost erhalten, sagte Wieler.

Die Zahl der Neuinfektionen war nach größeren Sprüngen zuletzt kaum noch zurückgegangen, der Sieben-Tage-Inzidenzwert pro 100.000 Einwohner verharrt bei rund 57.

Die Corona-Maßnahmen müssten konsequent umgesetzt werden, denn sie wirken, sagte Wieler weiter: "Schränken wir unsere Kontakte auf ein Minimum ein". Auch die "bundesweite 7-Tage-Inzidenz geht nicht mehr so stark zurück".

UND: Am Montag beraten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern über das mögliche Vorziehen von Grundschullehrern und Erziehern in der Impf-Reihenfolge.

Auch Gesundheitsminister Spahn mahnte zur Vorsicht. Der CDU-Politiker bekräftigte, dass es ab März für alle Bürgerinnen und Bürger kostenlose Schnelltests etwa in Apotheken geben solle.

Zudem seien inzwischen 740 000 Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen mit einer ersten Dosis geimpft worden, fast 500 000 auch bereits mit der zweiten, sagte Spahn. Das Bedürfnis nach einem Ende des Lockdowns sei greifbar. Bei Öffnungen gelte es, behutsam und vorsichtig vorzugehen, um das Erreichte nicht zu gefährden.

Wieler erklärte auf einer Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Spahn, er rechne in den nächsten Wochen mit weiteren Ausbrüchen von Covid-19. Bisher seien rund fünf Millionen Dosen gespritzt worden. Dies werde man in den nächsten Wochen verdoppeln müssen, um alle verfügbaren Impfdosen verimpfen zu können. Spahn hatte als Ziel gesetzt, dass dies Mitte Februar überall erfolgt sein sollte.

Der Gesundheitsminister warb noch einmal eindringlich für eine Impfung. "Das Impfangebot zu bekommen, ist ein Privileg", sagte Spahn. Das hänge aber immer mit der Verfügbarkeit der Impfstoffe, der Geschwindigkeit der Impfungen und auch mit der Impfbereitschaft zusammen. Alle Impfstoffe in Deutschland seien sicher, wirksam und sie schützten. Ebenfalls zugelassen sind die Vakzine von Biontech und Moderna.

"Wer nicht will mit dem angebotenen Impfstoff, kann zu diesem Zeitpunkt dann nicht geimpft werden", sagte Spahn zu der Debatte um das Astrazeneca-Vakzin. Dann müsse ein späterer Impftermin vereinbart werden.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sprach sich für "kluge Lösungen" aus, die sich sowohl an den lokalen Inzidenzwerten orientieren aber auch die Mobilität der Menschen einbeziehen, sowohl auf kommunaler Ebene als auch über Bundesländergrenzen hinaus.

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