Proteste in Russland: Nawalnys Ehefrau eine von mehr als 2.000 Festgenommenen

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In Moskau und zahlreichen weiteren russischen Städten sind Tausende Menschen dem Aufruf des inhaftierten Oppositionspolitikers Alexej Nawalny zum Protest gegen Staatschef Wladimir Putin gefolgt. Petersburg (mehr als 300). Nawalny macht für den Mordanschlag den Kreml verantwortlich. "Bitte entschuldigt die schlechte Bildqualität".

Russland, Chimki: Das Videostandbild des Youtube-Kananals "Navalny Life" zeigt Kremlkritiker Alexej Nawalny, wie er in einer Polizeistation in Chimki im Moskauer Gebiet auf eine Gerichtsverhandlung wartet.

Nawalny war am Sonntag direkt nach seiner Rückkehr aus Deutschland in Moskau festgenommen worden. Die überwiegende Mehrheit der Menschen demonstrierte allerdings friedlich gegen das Vorgehen der russischen Behörden gegen Nawalny. Das Team des Oppositionellen veröffentlichte am Samstagabend auf Telegram Videos, die zeigen, wie Vertreter der Sonderpolizei OMON in Moskau auf Demonstranten einprügeln und am Boden liegende Menschen treten. Sie riefen "Schande!" und "Banditen!". Anders als bei nicht genehmigten Kundgebungen in der Vergangenheit war der zentrale Puschkin-Platz nicht weiträumig abgesperrt. Aktivisten beklagten eine Drosselung des Internets.

Nawalnys Anhänger hatten für diesen Samstag in mehr als 90 russischen Städten zu Protesten aufgerufen. Sie fordern die Freilassung des Oppositionellen, der am Montag in einem umstrittenen Eilverfahren mit 30 Tagen Haft belegt worden war.

Russische Menschenrechtler listeten insgesamt rund 100 Städte auf, in denen Demonstranten in Polizeigewahrsam kamen - in den meisten blieb es bei einzelnen Festnahmen. In der Pazifikküstenmetropole Wladiwostok skandierten die Demonstranten Parolen wie "Freiheit für Nawalny" und "Putin ist ein Dieb". Der Kreml bezeichnet die Vorwürfe in dem mehr als 68 Millionen Mal angeklickten Film als "Unsinn" und "Lüge". Die Bürgerrechtsorganisation OWD zählte bis zum Nachmittag landesweit 863 Festnahmen. Es gab aber auch Berichte von Sicherheitskräften, die nicht eingriffen, sondern die Menschen marschieren ließen.

Die russischen Behörden drohten mit hohen Strafen für die Teilnahme an den nicht genehmigten Kundgebungen.

Videoaufnahmen aus Wladiwostok an der Pazifikküste zeigten Polizisten, die eine Gruppe von Demonstranten durch die Straßen jagen. In der Stadt Chabarowsk nahe der Grenze zu China versammelten sich Protestierende bei Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt. Dort haben sich nach Schätzungen von Reportern inzwischen bis zu 40.000 Menschen versammelt. In den vergangenen Tagen waren bereits zahlreiche Mitstreiter des Oppositionspolitikers festgenommen worden, darunter seine Pressesprecherin Kira Jarmysch. Er hatte sich in Deutschland von einer Vergiftung mit einem chemischen Kampfstoff der zu Sowjetzeiten entwickelten Nowitschok-Gruppe erholt.

Hinter dem Anschlag gegen ihn mit dem Nervengift Nowitschok vom 20. August sieht er ein "Killerkommando" des Inlandsgeheimdienstes FSB unter Wladimir Putins Befehl. Der Kreml weist eine Beteiligung zurück. Die Polizei kündigte ein hartes Vorgehen gegen die Protest-Teilnehmer an. Bereits im Vorfeld hatte es in Nawalnys Umfeld mehrere Festnahmen gegeben.

Protest vor der russischen Botschaft in Luxemburg.

Nawalnys enger Verbündeter Leonid Wolkow sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", Straßenproteste seien "in Russland das einzige Mittel, jemanden aus dem Gefängnis herauszubekommen". Es sei zudem schon vorgekommen, dass russische Oppositionelle zweimal hintereinander vergiftet worden seien. Deshalb sei "der einzige Schutz" für Nawalny "maximale Sichtbarkeit und Unterstützung in der Bevölkerung". Man verfolge die Proteste in Russland genau und erwarte, dass alle Verpflichtungen des Europarates und der OSZE eingehalten werden. Die Polizei war mit einem riesigen Aufgebot im Moskauer Stadtzentrum.

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