Söder bringt Impfpflicht für Pflegekräfte ins Gespräch

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Die vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) angestoßene Debatte über eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen kommt aus Sicht des Deutschen Städtetags zu früh. Erforderlich sei eine breite Aufklärungskampagne. Söder sagte, sich impfen zu lassen, sollte als Bürgerpflicht angesehen werden.

Der Ministerpräsident sprach auch mit Blick auf die Verbreitung deutlich ansteckenderer Corona-Mutationen in Großbritannien, Irland und den Niederlanden von einem "Wettlauf gegen die Zeit".

Weil nicht genug Corona-Impfstoff da sei, forderte er außerdem eine "nationale Pharma-Allianz", um die Produktion zu beschleunigen.

Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales
Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales

Das größte Problem bei dem Impfungen sieht Söder in der Dringlichkeit bei gleichzeitig begrenztem Impfstoff. Die Bundesrepublik sei ein "Pharmaland" mit entsprechender industrieller Basis. Es müsste möglich sein, mehr Produktionsstätten zur Impfstoffproduktion einzusetzen, die dann "für Deutschland und ganz Europa produzieren können". Söder sagte der "Süddeutschen Zeitung", es gebe "unter Pflegekräften in Alten- und Pflegeheimen eine zu hohe Impfverweigerung". "Der deutsche Ethikrat sollte sich damit beschäftigen", sagte er am Dienstagmorgen im ZDF-"Morgenmagazin". Gerade in den Pflegeheimen gehe es schließlich um Leben und Tod. Allerdings ergab eine in der vergangenen Woche veröffentlichte Umfrage, dass nur die Hälfte des Pflegepersonals zu einer solchen Impfung bereit ist.

Neben der gesellschaftlichen Debatte müsse auch die freiwillige Impfbereitschaft erhöht werden, etwa durch eine Kampagne, so Söder weiter. Daran sollten sich Vorbilder aus Kunst, Sport und Politik beteiligen. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte im SWR2-"Tagesgespräch", er verstehe zwar Söders Idee angesichts der Zurückhaltung unter dem Pflegepersonal. "Ich glaube trotzdem, dass der Gedanke zur falschen Zeit kommt", sagte er. Teilweise seien nur 30 Prozent der Beschäftigten bereit, sich impfen zu lassen.

Man habe noch nicht alle Möglichkeiten ausgereizt, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Dedy forderte Arbeitgeber und Klinikträger auf, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stattdessen von der Sinnhaftigkeit einer Impfung zu überzeugen.

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