Virologe Drosten: Mutierte Corona-Variante vermutlich schon in Deutschland

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Die härtesten Maßnahmen wegen der neuen Mutation ergriff Israel. Für die Region ordneten die Behörden einen Shutdown mit Ausgangs- und Reisesperren an. In Deutschland ist seit Mitternacht der Flugverkehr aus dem Vereinigten Königreich eingestellt - vorerst bis 31. Dezember.

Die britische Regierung hatte am Samstag angekündigt, die Corona-Infektionen seien zuletzt wegen einer Mutation des Virus kräftig gestiegen. Die Datenlage sei noch sehr lückenhaft und wissenschaftlich nicht belastbar. "Ich denke, dass das schon in Deutschland ist", sagte er dem Deutschlandfunk. Sie sei aber noch nicht festgestellt worden. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (57) sagte gegenüber der Bild-Zeitung, ein Vordringen der Mutation in Deutschland wäre eine "Katastrophe".

"Das ist so ähnlich, als wenn ich ein Feuer habe und gieße noch einmal Benzin nach".

In London und Südostengland trat wegen der neuen Virus-Variante am Sonntag ein strenger Lockdown mit weitgehenden Ausgangsbeschränkungen in Kraft.

Wie wirkt die neue Virus-Variante?

"Dann müssen wir kämpfen, dass das möglichst lange so bleibt".

In einem Telefonat am Sonntagnachmittag hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen und Charles Michel, Präsident des Europäischen Rates, über die neue Corona-Lage in Großbritannien beraten.

Aktuell liegen aber allein sechs Bundesländer über der Marke von 200, darunter Sachsen mit dem Höchstwert von 427 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen.

Bieten die bisher entwickelten Impfstoffe Schutz? Sie sähen derzeit keinen Grund für Alarm, heißt es aus dem Biozentrum der Universität Basel. Auch Mitglieder der Österreichischen Akademie der Wissenschaften halten die neue Entwicklung nicht für "wahnsinnig alarmierend".

Dass sich die Mutation schneller ausbreite, sei grundsätzlich plausibel, sagt Neher. Denkbar sei aber auch, dass die derzeitige verstärkte Ausbreitung dieser Variante letztlich Zufall sei und etwa auf ein Superspreading-Event zurückgehe.

Um mit Inhalten aus Twitter und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung. Die Mutationen verschafften dem Virus nicht zwingend einen Selektionsvorteil, auch wenn das möglich sei. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass die Variante schwerere Krankheitsverläufe auslöse oder eine höhere Sterblichkeitsrate.

Ersten Analysen britischer Wissenschaftler zufolge verfügt die neue Variante über ungewöhnlich viele genetische Veränderungen, vor allem im Spike-Protein. Das Problem: Der in Großbritannien eingesetzte Biontech-Impfstoff, der auch bald in Deutschland und Österreich zum Einsatz kommen soll, erzeugt eine Immunantwort gegen genau dieses Protein. Mit dieser stachelartigen Struktur an seiner Oberfläche heftet sich das Virus an menschliche Zellen, um dann in sie einzudringen. Veränderungen könnten die Übertragbarkeit des Virus betreffen oder den klinischen Verlauf der Erkrankung. Theoretisch können Mutationen auch die Wirksamkeit des Impfstoffes beeinflussen. Ändert sich dessen Aufbau, könnte das Immunsystem auch nach einer Impfung blind für den Erreger sein, so die Überlegung. "Selbst wenn eine Mutation vorhanden ist, verhindert dies nicht die Erkennung durch das Immunsystem". Anders gesagt: Einzelne Mutationen reichen nicht aus, um der komplexen Immunabwehr zu entgehen. Die Virus-Mutation VUI2020/12/01 wird für einen starken Anstieg der Infektionszahlen im Süden Englands verantwortlich gemacht. Bei den neuartigen mRNA-Impfstoffen, zu denen der in Großbritannien eingesetzt Coronavirus-Impfstoff gehört, geht das vergleichsweise einfach.

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