Hongkonger Demokratie-Aktivist Wong zu mehr als einem Jahr Haft verurteilt

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Eine Verurteilung gilt dennoch als absolut wahrscheinlich, im schlimmsten Fall drohen gar fünf Jahre Haft.

Wong hatte in den vergangenen Monaten häufig in westlichen Ländern um Unterstützung für die Demokratie-Bewegung und für eine Eindämmung des chinesischen Einflusses in Hongkong geworben. Die bekannten Aktivisten standen wegen einer Protestkundgebung vor der Hongkonger Polizeizentrale im Juni 2019 vor Gericht.

Ein Blick zurück: Vor genau einem Jahr besetzten Hunderte Aktivisten die Polytechnische Universität und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Seither hat sich das Blatt jedoch gewendet.

Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie kamen zunächst die allsamstäglichen Demonstrationen in Hongkong zum Erliegen. Chinas kommunistische Führung geht seit Monaten massiv und im Eiltempo gegen die Reste der Autonomie Hongkongs vor: An Schulen werden Lehrpläne geändert, die verbleibenden freien Medien werden gegängelt, kritische Journalistinnen und Journalisten werden gefeuert. Viele junge Hongkonger haben sich ins Private zurückgezogen, Aktivisten bemühen sich um Migration ins Ausland.

Seit Juni können sie auch auf ein von Peking verabschiedetes sogenanntes Sicherheitsgesetz zurückgreifen. Tatsächlich hat die Lokalregierung im Herbst zwei Lehrer abgesetzt, die "nicht regierungskonforme Inhalte" im Unterricht durchgenommen haben. Diese ist in Hongkong längst nicht mehr gegeben.

Der Hongkonger Aktivist und Kolumnist der WELT AM SONNTAG Joshua Wong ist für das Organisieren eines Protests zu einer Haftstrafe von 13,5 Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Möglicherweise könnte ausgerechnet die Corona-Pandemie, die maßgeblich zum Verstummen der Protestbewegung im Frühjahr gesorgt hat, nun zu einem erneuten Wendepunkt führen. Wenn nämlich ein Impfstoff die Infektionsgefahr bannen sollte, dürften auch die Aktivisten wieder auf Hongkongs Straße ziehen - vielleicht zum letzten Mal.

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