Unicef-Studie: Gewalt gegen Kinder laut Ulmer Studie verbreitet

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November 2020//Vor 20 Jahren, am 8. November 2000, trat in Deutschland das Recht jedes Kindes auf gewaltfreie Erziehung in Kraft.

"Mein Kind ist unschlagbar" - so hieß das Motto einer großangelegten Kampagne gegen Gewalt in der Erziehung.

Der "Klaps auf den Hintern", die Ohrfeige - viele halten das in der Kindererziehung für legitim, ergibt eine Umfrage von UNICEF und der Uniklinik Ulm.

So ist jeder Zweite noch immer der Auffassung, dass ein Klaps auf den Hintern noch keinem Kind geschadet habe. 7,2 Prozent akzeptierten demnach sogar eine "Tracht Prügel".

Eine leere Kinderschaukel schwingt auf einem Spielplatz
Immer noch zu viele Erwachsene befürworteten Gewalt in der Erziehung sagen Unicef und Kinderschutzbund. Bildrechte dpa

Gemeinsam fordern der Kinder- und Jugendpsychiater und Psychotherapeut Prof. Dr. Jörg M. Fegert, UNICEF Deutschland und der Deutsche Kinderschutzbund, das Bewusstsein für alltägliche Gewalt gegen Kinder zu schärfen und das Recht auf gewaltfreie Erziehung auf allen Ebenen der Gesellschaft zu stärken und umzusetzen. In den Jahren von 2016 bis 2020 stagnierten die Zahlen somit. Insbesondere leichtere Körperstrafen bleiben aber "bei einem erschreckenden Teil der deutschen Bevölkerung" weiter verbreitet, wie die Initiatoren der Untersuchung erklärten.

Bei Männern ist die Zustimmung zu Körperstrafen der Befragung zufolge höher als bei Frauen.

"Auch die Ohrfeige und der Klaps auf den Hintern sind ein Angriff auf die Würde des Kindes". Je jünger die Befragten waren, desto häufiger lehnten sie den Einsatz von Körperstrafen ab. Befragte über 60 Jahren hielten zu 65 Prozent den "Klaps auf den Hintern" für angemessen, Befragte unter 31 Jahren stimmten dem nur zu 45 Prozent zu. So ist die Wahrscheinlichkeit, der Aussage "Ein Klaps auf den Hintern hat noch keinem Kind geschadet" zuzustimmen, bei der Gruppe mit eigenen körperlichen Gewalterfahrungen fast 16 Mal so hoch wie bei den anderen Menschen. "Auch emotionale Gewalt muss in den Fokus". Was zählt, ist nicht nur der körperliche Schmerz, sondern vor allem die Lernerfahrung: Der körperlich Überlegene hat das Sagen.

Der Leiter der Befragung, Jörg Fegert, Professor an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm, zeigte sich besorgt darüber, dass "leichtere" Strafen und Gesten in der Erziehung von Kindern immer noch akzeptiert werden.

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