Ex-Wirecard-Chef verweigert Aussage vor Untersuchungsausschuss

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Berlin - Vor dem Auftritt des ehemaligen Wirecard-Chefs Markus Braun vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages hat Obmann Danyal Bayaz (Grüne) die Bundesregierung für ihre mangelnde Aufklärungsbereitschaft in dem Skandal kritisiert. Er habe "zu keiner Zeit Feststellungen getroffen oder Hinweise erhalten, dass sich Behörden, Aufsichtsstellen oder Politiker nicht korrekt, pflichtwidrig oder in irgendeiner Form unlauter verhalten hätten", so Braun weiter. Sie wollen vor allem herausfinden, welche politischen Kontakte und Netzwerke Wirecard zum Kanzleramt und den Ministerien hatte.

Teils schienen die Fragen dem einstigen Vorstandsvorsitzenden, der für die Zeugenbefragung aus der Untersuchungshaft in Bayern nach Berlin gebracht worden war, Unbehagen zu verursachen.

Der Wirtschaftsinformatiker Markus Braun war fast zwei Jahrzehnte lang Chef von Wirecard und gilt laut bisherigem Kenntnisstand der Staatsanwaltschaft als zentrale Figur in dem milliardenschweren Bilanzbetrugsfall.

Die Ermittler werfen Braun und anderen Vorständen, wie dem auf der Flucht befindlichen Jan Marsalek - ebenfalls ein Österreicher - vor, über Jahre die Bilanzen des Konzerns aufgebläht und Banken, Investoren und Kunden getäuscht zu haben und damit gewerbsmäßigen Bandenbetrug, Bilanzfälschung und Marktmanipulation betrieben zu haben. Er wolle sich zunächst vor der Staatsanwaltschaft äußern.

Der Ausschuss will aufdecken, ob das deutsche Fintech-Unternehmen als aufstrebender Börsenstar von den Aufsichtsbehörden trotz Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten mit Samthandschuhen angefasst wurde. Dabei geht es auch um Versäumnisse der Politik, weshalb die Kontakte Brauns relevant sein könnten. Er übernachtet in einem Gefängnis. Die beiden Manager sollen per Video zugeschaltet werden - wohl auch, damit sie Braun nicht begegnen. Das einst als deutsche Technologiehoffnung gehandelte Unternehmen saß als Dienstleister für bargeldlose Zahlungen an Ladenkassen und im Internet an der Schnittstelle zwischen Händlern und Kreditkartenfirmen*- in einem hart umkämpften Markt. "Aber er kann uns Aufschluss darüber geben, warum Herr Kukies so interessiert war, mit ihm einen Termin zu machen, obwohl es da neue, massive Bilanzvorwürfe gegenüber Wirecard gab".

"Ihnen ist bekannt, dass die Staatsanwaltschaft München I gegen mich und eine Vielzahl anderer Personen ein umfangreiches Ermittlungsverfahren führt", verlas Braun in seiner Erklärung.

Doch sie sind nicht die einzigen Geschädigten, auch viele Aktionäre verloren Geld, weil die Wirecard-Aktie* nach Bekanntwerden des Skandals rapide abstürzte. Diese Summe übersteigt die bisher erzielten Erlöse bei der Abwicklung des Konzerns um ein Vielfaches.

Als Markus Braun am Mittag an dem Tisch im Sitzungssaal des Bundestags-Untersuchungsausschusses Platz nimmt, trägt er eine Schutzmaske, den für ihn typischen schwarzen Rollkragenpulli und einen dunklen Anzug.

Auch Kanzlerin Angela Merkel* (CDU*), die sich im vergangenen Jahr bei einer China-Reise für Wirecard eingesetzt hatte, und Finanzminister Olaf Scholz (SPD*) sollen im Untersuchungsausschuss als Zeugen befragt werden. In dem Skandal ist zunehmend auch die Rolle der Politik und der Finanzaufsicht Bafin ins Zentrum gerückt.

Ein Untersuchungsausschuss hat mehr Rechte als gewöhnliche Bundestagsausschüsse.

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