Zeitungsbericht - Bund will Mitarbeitern leeren Nachbarplatz in der Bahn zahlen

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Dies sorgt für Irritationen.

Dienstreisen von Bundesbeamten sollen wegen der Corona-Pandemie grundsätzlich vermieden werden. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte am Dienstag auf Anfrage entsprechende Medienberichte. So solle im Sinne des Infektionsschutzes ein größerer Abstand zu Mitreisenden gewährleistet werden. Die erweiterte Erstattungsmöglichkeit wird dem Bericht zufolge im Bundesreisekostengesetz zunächst befristet bis Ende März 2021 eingeräumt. Der Sprecher betonte aber, dass generell "Dienstreisen nur durchgeführt werden, wenn sie zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit der Bundesverwaltung zwingend erforderlich sind". "Der Anspruch auf den reservierten Sitzplatz erlischt, wenn er nicht durch den Reisenden 15 Minuten nach Abfahrt des Zuges von dem Bahnhof, ab dem die Reservierung erfolgt ist, eingenommen wurde", verwies sie gegenüber der Nachrichtenagentur AFP auf die geltenden Beförderungsbedingungen.

Es ist ein Glücksspiel: Wer aktuell mit der deutschen Bahn fährt, erfährt oft erst im Zug, ob es auf der Fahrt möglich sein wird, die Abstandregeln zum Infektionsschutz einzuhalten, oder ob man vielleicht in einem Viererplatz mit drei fremden Menschen sitzen muss, die, um ihren Kaffee zu trinken, eine Stunde lang ihren Mundschutz abnehmen. "Für die Buchungen von Sitzplatzreservierungen sind Fensterplätze voreingestellt, sodass der Gangplatz frei bleibt". Zusätzlich achte das Zugpersonal auf eine gleichmäßige Verteilung der Fahrgäste im Zug.

Auf deutliche Distanz zu der reiserechtlichen Reglung ging das Bundesverkehrsministerium, das die Auffassung vertritt, freie Nachbarplätze in Bahn oder Flugzeugen seien unnötig. Daher würden "vereinzelte Anfragen" von Mitarbeitern des Verkehrsressorts nach freien Zusatzplätzen abgewiesen.

Für die Mitarbeiter des Bundes soll allerdings eine Ausnahme gemacht werden, wie man aus einem aufsehenerregenden Rundschreiben des Bundesministeriums entnehmen kann. Wichtig sei vielmehr, "das Tragen der Mund-Nase-Bedeckung konsequent durchzusetzen und das Vertrauen in die öffentlichen Verkehrsmittel zu stärken". Denn Bund und Bahn lehnen bislang einen garantierten Mindestabstand in den Fernzügen für alle Passagiere ab.

"Es gibt keinen Grund, Angst vor öffentlichen Verkehrsmitteln zu schüren", erklärte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege.

Kritik kam auch von Seiten der Opposition.

Nur damit wäre die Anzahl der Fahrgäste wirklich zu steuern, sagt auch der FDP-Verkehrsexperte Christian Jung: "Es ist natürlich schon sehr skurril, was da gerade passiert". Kritisiert wurde "heiße Luft auf Kosten der Steuerzahler".

Der Fahrgastverband rät, bereits bei der Reservierung auf den grafischen Sitzplan im Internet zu schauen.

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