Schanghaier Börsengang von Alibabas Ant Group geplatzt

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Es sollte der größte Börsengang aller Zeiten werden. Alibaba besitzt ungefähr 33 Prozent der Ant Group, die einst ihre Tochtergesellschaft war und später als unabhängige Einheit bekannt wurde. Soll der Fintech-Star ausgebremst werden?

Doch zwei Tage vor dem geplanten Marktdebüt, das rund um die US-Wahl und mitten im US-Handelsstreit passieren sollte, machten die beiden Börsen Shanghai und Hongkong dem Zahlungsabwickler Ant Group einen Strich durch die Rechnung. Der Fintech-Riese betreibt den populären mobilen Bezahldienst Alipay. Die Börse von Shanghai gibt laut einem Artikel der "Financial Times" an, es gebe bedeutende Probleme, unter anderem im Zusammenhang mit Änderungen im regulatorischen Umfeld für Finanztechnologien. Der chinesische Konzern werde vorerst nicht im Segment "Star Board" gelistet, teilten zunächst der Shanghaier Betreiber völlig überraschend am Dienstag mit. Das könnte dazu führen, dass Ant Group die Bedingungen für den Börsengang und die Offenlegungspflichten nicht erfüllen könnte. Alibaba-Gründer Jack Ma ist zuvor von der chinesischen Finanzaufsicht verhört worden. Es sei um "die Gesundheit und Stabilität des Finanzsektor" gegangen, hieß es hinterher. Seitdem hat die Ant Group berichtet, dass die Notierung in Hongkong ebenfalls ausgesetzt wurde. Es blieb aber unklar, was die Anweisungen gewesen sind. Ant ist der Finanzarm der weltgrößten chinesischen Online-Handelsplattform Alibaba. Wegen des außerordentlichen Vorgehens wurde spekuliert, dass sich der Milliardär Ma vielleicht den Zorn der Aufsichtsbehörden auf sich gezogen haben könnte.

Ma hat daraufhin lokalen und globalen Regulierungsbehörden vorgeworfen, Innovation zu bremsen und neuen Entwicklungen nicht genug Aufmerksamkeit entgegen zu bringen. Die Zukunft dürfe nicht "mit Methoden von gestern" reguliert werden. Dieser hatte beim bislang weltweit größten Börsengang vergangenes Jahr 29,4 Milliarden Dollar eingesammelt. Damit wäre die Ant Group mit mehr als 300 Milliarden US-Dollar bewertet worden - mehr als die US-Bank JP-Morgan Chase & Co oder viermal mehr als das Investmenthaus Goldman Sachs.

Das Kreditgeschäft sei mit einem Anteil von 39,4 Prozent in der ersten Jahreshälfte aber schon größer gewesen als der Bezahldienst Alipay, der 35,9 Prozent der Einnahmen ausgemacht habe. Den mobilen Bezahlmarkt teilt sich Alipay mit der Konkurrenz von Wechat-Pay des chinesischen Internetkonzerns Tencent. Das Milliardenvolk bezahlt heute in Geschäften meist nur mit dem Handy, indem ein Code eingescannt wird. Nach Angaben des Unternehmens nutzen ihn monatlich mehr als 700 Millionen Menschen in China; jährlich werden demnach umgerechnet mehr als 14,4 Billionen Euro transferiert. In Deutschland bieten die Drogerieketten dm und Rossmann sowie die WMF-Gruppe, der Kaufhof oder der Flughafen München die Zahlung mit Alipay an.

Mit Hongkong und Shanghai hatte die Ant Group die amerikanischen Börsen umgehen wollen - eine Neuerung für ein derart großes chinesisches Technologie-Unternehmen.

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