Viele Tote bei russischem Angriff in Idlib

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In der syrischen Provinz Idlib fallen wieder Bomben - trotz Waffenruhe!

Nach russischen Luftangriffen in Syrien auf mit der Türkei verbündete Rebellen ist die Zahl der Todesopfer nach Angaben von Aktivisten erneut gestiegen. Rund 100 weitere seien verletzt worden, viele von ihnen schwebten in Lebensgefahr. In jüngster Zeit fliegen russische und syrische Kampfflugzeuge jedoch wieder mehr Angriffe in der Gegend; türkische Soldaten mussten sich von einigen Beobachtungsposten zurückziehen. Auf Videos, die Minuten nach dem Angriff zeigen sollen, waren in Decken gehüllte Leichen zu sehen. Damit ist klar, dass Putins Luftwaffe - und nicht etwa Assad, der dieselben Flugzeuge besitzt - die Attacke auf die gemäßigten Rebellen ausgeführt hat.

Nach Angaben der Menschenrechtsaktivisten griffen russische Jets die islamistische Miliz Failak al-Scham an, die 2014 gegründet wurde und mit der Türkei verbündet ist. In dem Militärlager in der Nähe des Ortes Harim unweit der türkischen Grenze seien Kämpfer der Miliz ausgebildet werden. In den kommenden Tagen sollten dort rund 150 Kämpfer ihre Ausbildung abschließen.

Der Sprecher des Rebellenbündnisses Nationale Befreiungsfront (NLF), der Failak al-Scham angehört, nannte die Angriffe auf das Ausbildungslager eine "klare russische Botschaft" und einen deutlichen Verstoß gegen die geltende Waffenruhe.

Das Rebellenbündnis kündigte via Twitter an, mit einer "harschen Antwort auf das Massaker" reagieren zu wollen.

Die Angriffe sind der direkte und wohl schwerste Bruch einer Waffenruhe, auf die Russlands Präsident Wladimir Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sich im März für Idlib verständigt hatten.

Auch die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete unter Berufung auf militärische Quellen bei den syrischen Rebellen von dem Angriff und sprach von "zahlreichen" Opfern. Die NLF habe als Reaktion Stellungen der syrischen Regierungstruppen und russischer Kräfte mit Raketenwerfern angegriffen. Seit Anfang 2019 wurden 1,4 Millionen Menschen durch die Kämpfe in Idlib vertrieben. Russland und der syrischen Regierung von Präsident Baschar al-Assad wurde mehrfach vorgeworfen, gezielt auch zivile Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser anzugreifen. Kurdische Kräfte beherrschen immer noch mit Unterstützung der USA den Nordosten Syriens. Die Kooperation nützte bisher beiden Seiten: Russland konnte das Nato-Land Türkei aus dem Westen herauslösen, und Ankara konnte die eigenen Interessen in Syrien verfolgen.

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