SAP kürzt seine Ziele zusammen - und stürzt an der Börse ab - Wirtschaft

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Die Corona-Pandemie bringt Europas größten Softwarehersteller SAP stärker in Bedrängnis als gedacht. Die Walldorfer Dax-Gruppe begründete dies damit, dass sich die Nachfrage weniger gut entwickelt hat als erwartet. Die schnellere Umstellung der Kunden auf solche Programme dürfte das zuvor prognostizierte Wachstum der bereinigten operativen Marge (bereinigtes EBIT) bis 2023 auf rund 34 Prozent erheblich hemmen, wie SAP am Sonntagabend bekannt gab. Finanzchef Luka Mucic ergänzte, das Management steuere das Unternehmen nicht nach der operativen Marge: "Wir wollen ein Wachstumsunternehmen bleiben". Vor allem bestehende Kunden der SAP-Kernsoftware für die Unternehmensführung sollen nun auf Cloud-Angebote umgestellt werden. Cloudsoftware wird entweder in Abonnements über die Laufzeit bezahlt oder gegen eine Nutzungsgebühr.

In diesem Jahr rechnet SAP nun mit einem Gesamtumsatz von 27,2 bis 27,8 Milliarden Euro auf Basis konstanter Wechselkurse - das heißt zu Wechselkursen aus dem vergangenen Jahr.

Die SAP-Aktie war am Montag wegen eines Strategieschwenks von Vorstandschef Christian Klein um mehr als ein Fünftel auf 97,50 Euro eingebrochen und damit wieder auf den Stand von Anfang April, als sich die Papiere gerade vom Corona-Crash erholten. So seien voraussichtlich kommendes und übernächstes Jahr zusätzliche Ausgaben erforderlich. Schlägt der starke Euro besonders hart bei der Umrechnung von ausländischen Erlösen zu Buche, sind den Angaben zufolge auch Werte darunter möglich. Der Mitgründer des Dax-Konzerns deckte sich zu Wochenbeginn für insgesamt rund 248,5 Millionen Euro mit Papieren ein, wie aus einer Stimmrechtsmitteilung des Konzerns vom Dienstag hervorgeht. Mucic bezifferte die nötigen Investitionen auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Das Betriebsergebnis soll den neuen Prognosen zufolge nun zwischen 8,1 und 8,5 Milliarden statt 8,1 und 8,7 Milliarden Euro liegen. Beim ersten Mal im April ging diese Nachricht in der Hochphase der Corona-Pandemie angesichts einer sowieso im Abschwung befindlichen Weltkonjunktur fast unter - doch nun zog SAP mit seiner Ankündigung große Aufmerksamkeit auf sich.

Zu Beginn der Krise im Frühjahr war der Konzern noch auf die Kostenbremse getreten und hatte sogar die Finanzprognosen gesenkt.

Der Gesamtumsatz schrumpfte zwischen Juli und Ende September im Jahresvergleich um 4 Prozent auf 6,54 Milliarden Euro, wobei der starke Euro für das Minus sorgte. Der Cloud-Umsatz stieg um 10 Prozent auf 1,98 Milliarden Euro, und der Umsatz mit Software und Cloud-Diensten zusammen fiel um 2 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro.

Dass SAP fürs dritte Quartal immerhin einen deutlichen Nettogewinnanstieg von 31 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro ausweisen konnte, lag vor allem an Bewertungseffekten bei der Beteiligungstochter Sapphire Ventures, die vorwiegend Geld in Start-ups investiert. Ab 2023 sollen dann ein beschleunigtem Wachstum der Umsätze und ein zweistelliges Plus beim Betriebsergebnis folgen. Das operative Ergebnis soll zur Mitte des Jahrzehnts über 11,5 Milliarden Euro liegen.

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