Massenproteste in Belarus: Trotz Waffenandrohung auf den Straßen

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Seit Wochen dauern die Massenproteste in Belarus an - trotz Herbstwetters und neuer Gewaltandrohung der Behörden. Wie reagieren die Sicherheitskräfte?

Die Polizei hatte den Demonstranten am Montag mit einem Einsatz von Schusswaffen gedroht.

Anders als bei den früheren Sonntag-Demonstrationen der Opposition zogen die Lukaschenko-Gegner diesmal nicht durch das Stadtzentrum von Minsk, sondern demonstrierten auf einer Hauptverkehrsstraße im Süden der Hauptstadt, wo zahlreiche Fabriken angesiedelt sind. Auch in anderen Städten gab es Aktionen gegen Staatschef Alexander Lukaschenko. In Medienberichten war von zunächst 50 Festnahmen die Rede.

Aus Minsk wurden im Nachrichtenkanal Telegram wieder Bilder von vielen Militärfahrzeugen und Gefangenentransportern veröffentlicht.

Dabei fielen offenbar Schüsse: Das Innenministerium teilte den Nachrichtenagenturen Interfax und RBK mit, Beamte hätten in die Luft gefeuert, nachdem Demonstranten Steine geworfen hätten. Sie sperrten Straßen im Zentrum der Hauptstadt mit Stacheldraht ab und schlossen Metro-Stationen.

Es ist das mittlerweile zehnte Protest-Wochenende in Folge. Die Sonntagsmärsche haben besonders großen Zulauf.

Bislang hatten die Sicherheitskräfte vor allem Wasserwerfer, Gummigeschosse und Blendgranaten gegen die Demonstranten eingesetzt. Das Innenministerium drohte offen mit dem Einsatz von Schusswaffen und scharfer Munition. Die Opposition ruft stets zu friedlichen Protesten auf und verurteilt Gewalt. U-Bahn-Stationen wurden geschlossen, damit die Menschen nicht so einfach ins Zentrum gelangen konnten. Die Behörden wollen damit verhindern, dass sich Demonstranten etwa über den Messenger-Dienst Telegram verabreden und Videos von Festnahmen verbreitet werden.

Seit der Präsidentenwahl am 9. August gibt es in Weißrussland regelmäßig Proteste. Das Land steckt in einer schweren innenpolitischen Krise. Lukaschenko hatte sich mit angeblich 80,1 Prozent der Stimmen nach 26 Jahren an der Macht erneut zum Sieger erklären lassen. Sie war ins EU-Exil Litauen geflohen.

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