Frankreich: Welle der Solidarität nach Mord an Lehrer

Einstellen Kommentar Drucken

"Wir brauchen Grenzen. Eine Nation ohne Grenzen ist keine Nation", sagte er und drückte unmittelbar im Anschluss sein "sehr aufrichtiges Beileid" an seinen "Freund" Präsident Emmanuel Macron aus. Die Festgenommenen seien aus dem Familienkreis des Angreifers, der von Polizisten getötet worden war, hieß es in der Nacht auf Samstag aus Justizkreisen.

Elf Menschen aus dem Umfeld des Täters befinden sich inzwischen in Polizeigewahrsam.

Neun Menschen sind in Polizeigewahrsam genommen worden.

Der mutmassliche Angreifer lebte mit seiner Familie als Flüchtling in Frankreich und hat seit Frühjahr eine Aufenthaltsgenehmigung, die bis 2030 gültig ist. Er wurde demnach von der Polizei kurz nach der Tat erschossen. Er sei mit einem Messer und einer Softair-Pistole bewaffnet gewesen, so die Staatsanwaltschaft.

Die Tat ereignete sich am Freitagnachmittag in dem Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine.

Bei dem Anschlagsopfer handelt es sich um einen 47-jährigen Lehrer an einem Collège, einer Schulart zwischen deutscher Grundschule und dem Gymnasium. Der Täter hat in einem Pariser Vorort einem Lehrer aufgelauert und ihn anschließend enthauptet. Unter den in Gewahrsam Genommenen sind unter anderem auch Eltern von Schülern der Schule, an der das Opfer arbeitete. Der Pädagoge hatte zuvor im Unterricht über das Thema Meinungsfreiheit gesprochen und Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt. Zeugenaussagen zufolge rief der Täter anschließend auf Arabisch "Gott ist groß". Angreifer A. war ein Tschetschene, der 2002 in Moskau geboren wurde. Eine formelle Identifizierung steht jedoch noch aus. Diese hatte der Lehrer zum Thema Meinungsfreiheit vor einigen Wochen im Unterricht gezeigt. Der Tweet ist mittlerweile gesperrt. Dieser veröffentlichte nach seiner Tat ein Foto des Opfers und richtete eine Nachricht an Präsident Macron, den er als "Anführer der Ungläubigen" bezeichnete.

Macron hatte am 2. Oktober einen große Rede über den islamistischen Fundamentalismus, Glaubensfreiheit und die Trennung von Staat und Religion gehalten, in der er dem Fundamentalismus und der Bildung von Gegengesellschaften den Kampf ansagte, zugleich aber Muslime vor einem Generalverdacht in Schutz nahm: "Ich verlange von keinem unserer Bürger, zu glauben oder nicht zu glauben, ein wenig oder mäßig zu glauben, das ist nicht die Sache der Republik, aber ich verlange von allen Bürgern, unabhängig von ihrer Religion, absolut alle Gesetze der Republik zu respektieren". "Sie werden uns nicht spalten".

Über den brutalen Mord an dem französischen Lehrer zeigte sich indes Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) in einer Aussendung am Sonntag tief erschüttert. Landesweit werden zahlreiche Solidaritätsdemonstrationen erwartet. "Die Terroristen werden nicht gewinnen", sagte der sichtlich angeschlagene Präsident und sicherte den Franzosen zu, dass die Sicherheitsbehörden "schnell und stark" reagieren würden. Faßmann: "Meine Gedanken sind bei den Angehörigen des Opfers". "Wir werden uns dadurch nicht einschüchtern lassen und unser europäisches Lebensmodell weiterhin verteidigen", betonte der Bundeskanzler.

Die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" hatte sich Demo-Aufruf der Organisation SOS Racisme und Lehrergewerkschaften angeschlossen. Bei dem geständigen Täter handelt es sich um einen 25-jährigen Pakistaner, der aus "Wut" über die Darstellung des Propheten gehandelt haben will.

Staatsanwalt Ricard äußerte sich ausführlich zum mutmaßlichen Hintergrund der Tat. Die Intoleranz habe "gerade eine neue Schwelle überschritten". Die Place de la République im Pariser Osten ist ein symbolischer Ort - bereits nach der Terrorserie im Januar 2015, zu der auch der Anschlag auf "Charlie Hebdo" zählte, gedachten dort Menschen aus ganz Frankreich der Opfer.

Comments