Trump und Biden treten zur selben Zeit im Fernsehen auf

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Stattdessen beantworteten beide Kandidaten bei jeweils eigenen Auftritten die Fragen von Wählern.

Trotz der Kritik schloss NBC aus, Trumps Auftritt in Miami um eine Stunde zu verschieben: Weil dann mehr Menschen fernsähen, sei der Republikaner dann im Vorteil gegenüber Biden.

Ein Fernsehabend als Sinnbild für den Wahlkampf: Statt sich gemeinsam den Fragen der Wähler zu stellen, treten Donald Trump und Joe Biden bei konkurrierenden Veranstaltungen auf.

Moderatorin Savannah Guthrie nahm Trump in die Zange, der reagierte darauf mitunter gereizt. Trump sagte daraufhin seine Teilnahme ab. "Ich weiß nichts über QAnon", erwidert der Präsident, um kurz darauf hinterherzuschieben: "Ich weiß, sie sind sehr stark gegen Pädophilie, sie kämpfen sehr hart dagegen an".

Im weitgehend leeren Auditorium in Philadelphia beantwortete Biden in aller Ruhe die Fragen der Wähler - es ging um den Kampf gegen die Corona-Pandemie, die umstrittene Polizeiarbeit, die Ungleichheit in der amerikanischen Gesellschaft. Seine Schulden beliefen sich nur auf "einen winzigen Prozentsatz meines Nettovermögens", sagte Trump. "Ich sage, tragt die Masken".

Trump wiederholte am Donnerstagabend seine falsche Aussage, dass nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC 85 Prozent der Menschen, die eine Maske tragen, sich mit dem Virus infizieren.

Rudy Giuliani unterstützte Donald Trump bereits 2016 im Wahlkampf- wie hier in Iowa
1 Rudy Giuliani unterstützte Donald Trump bereits 2016 im Wahlkampf- wie hier in Iowa

"Er hat enorme Gelegenheiten verpasst und sagte immer wieder Dinge, die nicht wahr waren", warf Biden dem Republikaner mit Blick auf dessen Umgang mit der Corona-Pandemie vor.

Trump machte dabei keine Angaben dazu, wann er vor seiner Covid-Erkrankung zuletzt negativ auf das Coronavirus getestet wurde. Dann meinte er: "Ich verurteile Rechtsradikale seit Jahren".

► Guthrie nagelte den Präsidenten auf die "Super-Spreader"-Veranstaltung im Rosengarten des Weißen Hauses fest, bei dem er und andere hochrangige Mitarbeiter seiner Administration keine Masken getragen hatten und sich mit dem Coronavirus infiziert hatten".

Quasi im gleich Atemzug sagte er: "Ich verurteile aber auch die Antifa und diese Menschen auf der Linken, die unsere Städte niederbrennen". Wenn er zum Präsidenten gewählt werde, werde er sich niemals rassistisch oder spalterisch äußern, sondern einen.

Ganz anders die Atmosphäre in Philadelphia, wo Biden vor allem erklärt, was inhaltlich von ihm zu erwarten wäre, sollte er hinterm Schreibtisch im Oval Office sitzen. Und fügte hinzu: "Ich hoffe nicht, dass es bedeutet, dass die Menschen in ethnischen und religiösen Fragen derart im Streit miteinander sind, wie Donald Trump sich das wünscht". Der 74-jährige Trump unterstellt seinem 77-jährigen Herausforderer - den er als "schläfrigen Joe" verunglimpft - immer wieder mangelnde körperliche und geistige Fitness. Selbst Mini-Lob für seinen Gegner hatte Biden parat, als er die von Trump choreographierte Annäherung Israels mit arabischen Staaten als Erfolg bezeichnete.

Der Sender steht dafür öffentlich in der Kritik: Die frühere NBC-Moderatorin Katie Couric schrieb bei Twitter, zeitgleiche Townhalls seien schlecht für die Demokratie: Die Wähler sollten beides schauen können. Biden bot an, nach dem Ende der Sendung weiter zu reden - was er auch tat. Trump hatte sich geweigert, aus Sicherheitsgründen die Debatte online abzuhalten. Die angesehene Plattform FiveThirtyEight, die mithilfe von Algorithmen sämtliche Umfragen analysiert und Ergebnis-Szenarien gewichtet, gibt die Wahrscheinlichkeit eines Sieges von Joe Biden mit 87 Prozent an. Auch in wichtigen Schlüsselstaaten wie Pennsylvania liegt der Trump derzeit hinter Biden. Die erste Debatte der beiden Ende September war ins Chaos abgeglitten. Trump hat sich aber bereits gegen Regeländerungen am Konzept der TV-Duelle ausgesprochen, die die Veranstalter als Konsequenz aus dem Chaos bei der ersten Debatte angekündigt hatten.

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