Blatt - EU-Regierungschefs fordern strenge Handelsregeln nach Brexit

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Kurz vor dem EU-Gipfel äußert der britische Premier Unzufriedenheit.

EU-Ratspräsident Michel twitterte am Abend nur sehr kurz und schrieb, man habe mit Johnson gesprochen. Von der Leyen twitterte: "Die EU arbeitet an einem Deal, aber nicht zu jedem Preis". "Wir haben noch viel Arbeit vor uns".

Johnson habe in dem Gespräch seine "Enttäuschung darüber, dass in den vergangenen zwei Wochen keine weiteren Fortschritte erzielt wurden" ausgedrückt, sagte sein Sprecher. Der konservative Regierungschef habe noch einmal betont, dass ein Deal wünschenswert sei.

Johnson hatte mit dem Rückzug vom Verhandlungstisch gedroht, falls bis 15. Oktober kein Kompromiss mit der EU gefunden ist - also bis morgen. Er freue sich darauf, von den Ergebnissen zu erfahren und werde nachdenken, bevor er Großbritanniens "nächste Schritte" darlege.

Kurz vor dem EU-Gipfel zum Brexit hat die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon unterdessen um Unterstützung der Europäischen Union für die Unabhängigkeit Schottlands geworben. Den Brexit bezeichnete sie als "verantwortungslos", "töricht" und "schädlich für die Wirtschaft".

Der Regierung des britischen Premierministers Boris Johnson warf Sturgeon "Ruchlosigkeit" in ihrem Vorgehen bei der Trennung von der EU vor. Da die Regierung in London entschlossen sei, "Konsens und Solidarität den Rücken zu kehren", brauche Schottland "einen alternativen Weg nach vorn". Doch gebe es immer noch Differenzen, vor allem bei den Fischerei-Rechten.

58 Prozent der Schotten würden jetzt für eine Loslösung vom Königreich stimmen und 42 Prozent dagegen, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage des Unternehmens Ipsos Mori ergab. Im September hatte die schottische Regierung erklärt, dass sie ein neues Unabhängigkeitsreferendum auf den Weg bringen will. Für Johnson wurde die Frage jedoch schon beim ersten Referendum 2014 geklärt. Damals hatten sich rund 55 Prozent der Schotten gegen eine Abspaltung vom Königreich ausgesprochen. Die SNP argumentiert jedoch, dass angesichts des Brexits eine neue Abstimmung nötig sei.

Großbritannien hat die Europäische Union am 31. Januar verlassen.

Großbritannien war zum 1. Februar aus der EU ausgetreten.

Beim Brexit-Referendum im Jahr 2016 hatte eine knappe Mehrheit der Bürger des Vereinigten Königreichs für den EU-Austritt gestimmt. Die Verhandlungen mit London über einen Handelspakt nach der Brexit-Übergangsphase kommen seit Monaten kaum voran. "Am Vorabend des Europäischen Rats haben wir erneut auf Fortschritte am Verhandlungstisch gedrungen".

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