Südkaukasus - Armenischer Ministerpräsident: Türkei greift in Konflikt in Berg-Karabach ein

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Zugleich hob Çavuşoğlu die Rolle Russlands bei der Beilegung des jahrzehntelangen Konflikts zwischen Aserbaidschan und Armenien hervor.

Die Hauptstadt Stepanakert sei am Montagvormittag mit Raketen angegriffen worden, teilten die Behörden mit. Diese zeigten brennende Gebäude und Fahrzeuge auf den Straßen.

Seit Beginn der heftigen Kämpfe vor einer Woche wurden mindestens 245 Menschen getötet, darunter 43 Zivilisten. Mit rund 500.000 Einwohnern ist Gandscha die zweitgrößte Stadt des Landes. In fast wortgleichen Mitteilungen ihrer Außenministerien bezichtigten sich beide Länder, gezielt die Zivilbevölkerung und Infrastruktur unter Beschuss zu nehmen. Die Angaben waren schwer überprüfbar, da es kaum unabhängige Beobachter in dem Konfliktgebiet gibt. Weder Armenien noch Aserbaidschan neigten bisher dazu, ihre Angriffe einzustellen. In der Nacht soll wiederum Armenien 19 aserbaidschanische Dörfer beschossen haben. Paschinjan wirft der Türkei vor, Söldner in den Südkaukasus verlagert zu haben. Die moralische Unterstützung und militärische Ausrüstung der Türkei stärkten Aserbaidschan. Armenien wirft der Türkei vor, an Kampfhandlungen in Bergkarabach beteiligt zu sein. Es gebe "150 ranghohe türkische Offiziere, die die Militäroperationen Aserbaidschans leiten". Er warnte in einer Fernsehansprache am Samstagabend vor einem neuen "Völkermord" wie zu Zeiten des Osmanischen Reiches. Er glaube auch, dass die Türkei nach 100 Jahren wieder in den Kaukasus zurückkehre, "um den Genozid an den Armeniern fortzusetzen". Es gebe keinen einzigen Beweis für ausländische Kämpfer in Aserbaidschan. "Wir stehen vor einem schicksalhaften Kapitel unserer Geschichte".

Der armenische Premierminister Nikol Paschinjan hat sich bezüglich einer Beendigung der Kämpfe in Bergkarabach zu Zugeständnissen bereit gezeigt. Er habe sie dabei über die Beteiligung türkischer Militäroffiziere informiert, hieß es. Sie äußerte sich nach Angaben der Regierung besorgt über die Eskalation und forderte, "dass alle Seiten die Kampfhandlungen unverzüglich einstellen und Verhandlungen aufnehmen müssten". Es sollte zudem eine "humanitäre Feuerpause" vereinbart werden, um Soldaten zu bergen. "Der Vertrag zu diesem System legt sehr deutlich fest, in welchen Fällen diese Streitkräfte auch zur Sicherheit Armeniens eingesetzt werden können", sagte er, ohne Details zu nennen.

Das Außenministerium in Baku kritisierte weiters, dass Armenien Journalisten im Rahmen seiner Militäreinsätze gegen Aserbaidschan ausnutze.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu hat am Dienstag mit dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew über die Situation in der Konfliktregion Bergkarabach verhandelt.

Der Präsident schrieb bei Twitter, dass die Ortschaft Madagisin von der Armee erobert worden sei. Berg-Karabach bezeichnete das als Falschinformation.

International wächst die Sorge vor einem Flächenbrand mit Beteiligung islamistischer Terroristen aus Syrien und Libyen.

Die beiden Ex-Sowjetrepubliken kämpfen seit Jahrzehnten um Bergkarabach, wo rund 145.000 Menschen leben.

Am Wochenende ist der Konflikt um die von Baku abtrünnige, von Eriwan gestützte und von keinem Staat anerkannte "Republik Nagornyj Karabach" sowie sieben umliegende, von Armenien besetzte Gebiete Aserbaidschans derweil weiter eskaliert. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Sie wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Eigentlich gilt seit 1994 eine Waffenruhe.

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