Neue Regeln nach Chaos-Duell zwischen Biden und Trump

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US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat sich vor seinem ersten TV-Duell mit Amtsinhaber Donald Trump über Anschuldigungen seines Rivalen mokiert, er könne sich dopen und einen Mini-Kopfhörer im Ohr tragen. "Wir haben die Debatte gestern Abend nach jedem Maßstab mühelos gewonnen", sagte der Republikaner im Garten des Weißen Hauses. "Er sah schwach aus, er jammerte". "Ich weiß nicht, wer die Proud Boys sind", sagte Trump mit Blick auf eine gleichnamige rechte Vereinigung, die am Vortag bei der TV-Debatte mit Herausforderer Joe Biden zum Thema geworden war. Die Teams beider Kandidaten sagten jedoch zu, auch an den kommenden beiden Debatten teilnehmen zu wollen. Es war unklar, auf welche Erhebungen er sich bezog. In manchen Twitter-Umfragen - die ohne wissenschaftliche Grundlage als unzuverlässig gelten - lag Trump zwar vorne. In einer CBS-Blitzumfrage waren 70 Prozent der Befragten vor allem verärgert über das erste TV-Duell zwischen Trump und Biden. Die würdelose und von persönlichen Angriffen geprägte Schlammschlacht glitt vor allem wegen Trumps ständiger Unterbrechungen und Provokationen rasch ins Chaotische ab. Zugleich warf sie dem Trump-Lager vor, es habe vergeblich versucht, beim Moderator des TV-Duells sicherzustellen, dass dieser in der Debatte nicht die Zahl der Corona-Toten in den USA erwähnt.

Während Biden redete, Trump sprach weiter, kritisierte "Linksradikale", die Biden angeblich nominieren wollte, rief mehrfach "Wer ist auf Ihrer Liste, Joe, wer ist auf Ihrer Liste?" Die Veranstalter kündigten Änderungen am Konzept der TV-Duelle an.

In den USA sahen nach Angaben des Instituts Nielsen mehr als 73 Millionen Menschen die Debatte im Fernsehen. Bei den diesjährigen Zahlen ist allerdings zu beachten, dass Nielsen nicht alle Online-Dienste erfasst, die die Debatte gestreamt haben.

Wallace zeigte sich enttäuscht über den Verlauf. Trump sagte, er "zähle" darauf, dass der Oberste Gerichtshof bei den Präsidentschaftswahlen "auf die Stimmzettel schaut". "So etwas habe ich noch nie durchgemacht". Moderator Chris Wallace von Fox News gelang es nicht, für Ordnung zu sorgen.

Ist das Abdrehen der Mikrofone eine Option?

Moderatoren von Präsidentendebatten betreiben normalerweise keinen Faktencheck der Aussagen der Kandidaten, und Wallace machte frühzeitig klar, dass er dies nicht als seine Rolle ansah. Das Trump-Team unterstellte dem Ex-Vizepräsidenten damit indirekt, er könnte sich durch eine solche heimliche Vorrichtung Antworten einflüstern lassen. "Zu viele Menschen vergessen, dass diese beiden Kandidaten die Unterstützung von Dutzenden Millionen Amerikanern haben".

Zwei weitere Debatten sind für den 15. Oktober in Miami (Florida) und am 22. Oktober in Nashville (Tennessee) geplant.

Dagegen versuchte Biden, direkt in die Kamera blickend, Trump immer wieder als "Lügner" darzustellen, dem das amerikanische Volk "nicht vertrauen" dürfe.

"Ich habe Joe Biden für seine 47 Jahre der Lügen, 47 Jahre des Verrats und 47 Jahre des Scheiterns zur Rechenschaft gezogen", sagte Trump zu Beginn seines Auftritts in Anspielung auf die lange politische Karriere seines Kontrahenten. Trump behauptete der Biden-Plan würde 100 Billionen US-Dollar kosten.

Nach der wüsten Fernsehdebatte mit Donald Trump war Herausforderer Joe Biden am Mittwoch schon wieder auf Wahlkampftour.

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