"Ozapft is" trotzdem: Friedlicher Start der Nicht-Wiesn in München

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Zuletzt hatte Ude als OB 2013 auf dem Oktoberfest angezapft - mit zwei Schlägen. Der 72-Jährige, der immerhin noch in seine Lederhose passte, ist seit sieben Jahren aus dem Geschäft. München hatte am Freitag mit 50,7 die kritische 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner überschritten. Anfang der Woche soll sich ein Krisenstab treffen. Eine Stunde vorher nutze ein Grüppchen von Wiesnfans in Tracht auf den Treppen zur Bavaria-Statue die Gelegenheit, um mit Maßkrügen anzustoßen.

Nebenan ließen sich auch heute Menschen auf das Coronavirus testen.

Die Polizei überwachte das Alkoholverbot mit Dutzenden Kräften.

Auch picknickte unter anderem eine Gruppe von Wiesnbedienungen in Tracht mit Cola-Mix und alkoholfreiem Radler unterhalb der Bavaria. Es gibt Wiesn Schmankerl wie Brathendl, Haxn oder Kaiserschmarrn, Oktoberfest-Bier und Festzeltmusik.

In teils mit Corona-Abständen gut besetzten Biergärten wurde dafür ausgelassen gefeiert.

Es gehe, so der Sprecher der Münchner Innenstadtwirte, nicht darum, eine Wiesn darzustellen, sondern es gehe darum, bayerisches Lebensgefühl zu vermitteln. Unter anderem auf Twitter gab es Unmut. Ein Nutzer fand es "unverantwortlich", die Veranstaltung in der aktuellen Situation nicht abzusagen. Und "Nina M." kommentierte einen Tweet von BR24: "Die Kinder müssen sich einschränken, die doofe WirtshausWiesn darf stattfinden". Die Stadt hatte als Konsequenz auf den überschrittenen Signalwert von 50 die Maskenpflicht im Unterricht an weiterführenden Schulen verlängert.

Auch Ärzte haben sich bereits skeptisch geäussert.

Angesichts steigender Coronazahlen mehren sich in München kritische Stimmen zu der geplanten "Wirthaus-Wiesn". Als Wiesn-Alternative wollen Klimaschützer dort demonstrieren, zugleich ist aber neben dem Alkoholverbot sogar ein Betretungsverbot im Gespräch: Befürchtet wird, dass Oktoberfestfans eine "wilde Wiesn" feiern könnten - mit großem Infektionsrisiko.

Wenn die Leute sich an der Isar versammelten, in den Wald gingen oder daheim mit 30 oder 40 Mann feierten, sei das gefährlicher. Es sei besser, wenn dies in den Wirtshäusern kontrolliert und unter Einhaltung der Regeln geschehe als bei privaten Partys. Es sei sehr verantwortungsvoll, weil die Wirte es unter Kontrolle hätten, so Lemke. Auch Alt-Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) - für zahlreiche Fassanstiche auf der Wiesn verantwortlich - will diesmal ein kleines Bierfass in einem Lokal anstechen. "Auch kleinbäuerliche Landwirtschaft ist Tradition - und trägt zum Klimaschutz bei".

Schon seit Wochen stehen auf verschiedenen Plätzen in der Stadt Karussells. Am Königsplatz ermöglicht ein Riesenrad den Blick über die Stadt, ein 90 Meter hohes Kettenkarussell kreist am Olympiagelände. Es gibt Schießbuden, Trachtenstände, Zuckerwatte und Lebkuchenherzen - "Sommer in der Stadt" heißt das Alternativ-Programm. Für viele gab es heuer Wiesn "dahoam" - wer nicht mehr ans Steuer muss, kann ein Bier mehr trinken.

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