Tödliche Explosion in Beirut: USA gehen von Anschlag aus

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Eine Untersuchungskommission soll innerhalb von fünf Tagen einen ersten Bericht vorlegen.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat im Zusammenhang mit den zahlreichen Todesopfern und massiven Zerstörungen nach der starken Explosion am Hafen von Beirut ein Kondolenzschreiben an seinen libanesischen Amtskollegen Michel Aoun gerichtet. "Es sind Eure Niedertracht und Eure Nachlässigkeit, welche die Menschen getötet haben".

US-Präsident Donald Trump hatte zunächst spekuliert, es habe sich um einen Anschlag gehandelt, relativierte diese Äußerungen aber später. Wie es zu der Explosion kommen konnte, kann aktuell noch niemand mit Gewissheit sagen. Ausgelöst haben könnte die schwere Explosion eine sehr große Menge Ammoniumnitrat: Schätzungsweise 2.750 Tonnen der gefährlichen Substanz seien jahrelang ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen von Beirut gelagert worden, sagte Ministerpräsident Hassan Diab dem Präsidialamt zufolge. Ammoniumnitrat kann für Düngemittel oder zur Herstellung von Sprengstoff verwendet werden.

Am Mittwoch hatte die libanesische Regierung den Hausarrest der Verantwortlichen für die Lagerung des Ammoniumnitrats gefordert. Ihnen werde der Prozess gemacht, versicherte Wehbe nun.

Noch Stunden nach den Explosionen hatte sich am Hafen von Beirut ein apokalyptisch anmutender Anblick geboten: Container waren wie Konservendosen verbogen, ihr Inhalt auf dem Boden verstreut. Laut der Webseite Marine Traffic kam das Schiff am 20. November 2013 in Beirut an - und legte dort niemals wieder ab.

Libanesischen Sicherheitsquellen zufolge reichte eine libanesische Firma während des Transits der "Rhosus" in Beirut eine Beschwerde gegen das Frachtunternehmen ein. Die örtliche Justiz beschlagnahmte daraufhin die "Rhosus". Schiffe standen in Flammen, Autos brannten aus. "Dies wird unsere Fähigkeit zur Unterstützung in Syrien beeinträchtigen". Anscheinend habe laut Koraytem niemand gewusst, dass das Material so gefährlich sei. Die Ermittler wiesen auch auf Risse an den Wänden des Lagers hin, die einen Einbruch ermöglichten und empfahlen eine Renovierung des Lagers. In den vergangenen Monaten mussten Tausende Geschäfte schließen, die Arbeitslosigkeit erreichte einen Rekordwert, die nationale Währung verlor in diesem Jahr 80 Prozent ihres Werts.

Die Reparaturarbeiten sollen nach Angaben aus Sicherheitskreisen Auslöser für die Katastrophe gewesen sein. An Bord waren zudem 55 Sicherheitskräfte, die auf Rettungs- und Räumungsarbeiten spezialisiert sind.

Einem internen Lagebericht des Technischen Hilfswerks (THW) zufolge wurden mindestens acht Deutsche bei der Explosion verletzt. "Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Auswärtigen Amts sind in tiefer Trauer um die Kollegin".

Das Gebäude, in dem sich die Botschaft befindet, ist beschädigt worden. Eine Mitarbeiterin wurde leicht verletzt, wie eine Sprecherin des Instituts am Mittwoch in Berlin sagte.

Der Stoff könnte von einem Frachtschiff stammen, dem libanesische Behörden laut Berichten im Jahr 2013 wegen verschiedener Mängel die Weiterfahrt untersagt hatten. Beamten in der Hauptstadt des Libanons zufolge sind Menschen in den Trümmern begraben. Das Deutsche Geoforschungszentrum verglich sie mit einem Erdbeben der Stärke 3,5.

Die Wucht: Selbst auf der rund 200 Kilometer entfernt liegenden Insel Zypern sind die Explosion und die Druckwelle zu spüren. Der Oberste Verteidigungsrat von Libanon erklärte die Stadt zur "Katastrophenzone". Wie Informationsminister Manal Abdel Samad am Mittwoch ankündigte, wurde die Verantwortung für die Sicherheit in der Stadt mit sofortiger Wirkung der Armee übertragen.

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