Explosionen in Beirut: Tote und Verletzte

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Laut dem Gouverneur von Beirut, Marwan Abud, betreffen die durch das Unglück verursachten Schäden beinahe die halbe Stadt. Große Teile des Hafens wurden vollständig zerstört. In Deutschland fällt die Handhabung von Ammoniumnitrat unter das Sprengstoffgesetz. "Ich bin sprachlos", fasste der Bürgermeister von Beirut, Jamal Itani, die Lage zusammen nachdem er sich am Mittwoch ein Bild von den Folgen der Explosion gemacht hatte. Bei zwei kurz aufeinander folgenden Explosionen wurden 559 Menschen getötet, 1977 verletzt und die Fabrik größtenteils zerstört.

Dem Deutschen Geoforschungszentrum GFZ war die Erschütterung sogar mit einem Erdbeben der Stärke 3,5 vergleichbar. Sie waren im ganzen Land, selbst noch im 240 Kilometer entfernten Nikosia auf der Insel Zypern, zu hören. Diab kündigte in der Fernsehansprache an, die Verantwortlichen würden bestraft.

Für die britische Regierung ist die Ursache der schweren Explosion noch unklar. "Wir brauchen Ammoniumnitrat - wir müssen nur genau darauf achten, was wir damit machen".

Ammoniumnitrat ist ein farbloser, fester und kristalliner Stoff. Gebildet wird die Substanz aus Ammoniak und Salpetersäure. So greifen Terroristen häufig bei Anschlägen auf den Stoff zurück. Auch der norwegische Rechtsextremist Andres Breivik soll die Substanz für die Bombe genutzt haben, die 2011 im Osloer Regierungsviertel detonierte. Möglicherweise wurde sie durch eine sehr große Menge Ammoniumnitrat ausgelöst, die im Hafen gelagert worden war. Sauerstoff wird freigesetzt und ein Feuer breitet sich aus. Bei Raumtemperatur liegt er in Kristallform vor.

Unter normalen Lagerbedingungen und bei mäßigen Temperaturen entzünde sich Ammoniumnitrat nur schwer, erläutert die Chemie-Expertin Jimmie Oxley von der Universität in Rhode Island. "Ich gehe davon aus, dass es eine kleine Explosion gab, die die Reaktion des Ammoniumnitrats auslöste - ob diese kleine Explosion ein Unfall war oder beabsichtigt, weiß ich nicht", sagt Oxley.

Ammoniumnitrat darf in vielen Ländern nur unter strengen Sicherheitsauflagen verwendet werden. Vor fast 100 Jahren hat es in Deutschland zu einem der weltweit größten Industrieunglücke geführt. Noch Kilometer weiter gab es Schäden. Mehr als 4000 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte die Organisation am Mittwoch mit.

Beschreibungen und Zeichnungen, die damals von dem Geschehen entstanden, erinnern stark an aktuelle Bilder aus Beirut. Über der gesamten Hafengegend lag eine riesige Rauchwolke.

2001, exakt 80 Jahre nach der Katastrophe von Oppau, starben bei einer Ammoniaknitrat-Explosion in Toulouse 30 Menschen. Ursache waren späteren Untersuchungen zufolge Fehleinschätzungen bei Lagerung und Verarbeitung. "Ohne Sprengstoff wäre die moderne Welt nicht möglich, und ohne Ammoniumnitrat-Dünger könnten wir die heutige Bevölkerung nicht ernähren", sagt sie. Eine erste Detonation löste dann die weit größere zweite Explosion aus.

Der Attentäter des Anschlags in Oklahoma City 1995 mit 168 Toten verwendete beim Bau der Bombe zwei Tonnen der Substanz.

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