Bei Maischberger: Karl Lauterbach warnt vor der zweiten Koronawelle

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Neu war allerdings, dass dem umtriebigen SPD-Gesundheitsexperten dieses Mal mit dem streitbaren Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) ein interessanter Gegenspieler zugeteilt wurde.

Bevor die beiden Kontrahenten in die Arena durften, sinnierten aber zunächst Investigativ-Legende Günter Wallraff, die Publizistin Düzen Tekkal und Journalist Rainer Hank über die Themenlage der Woche. Der Schwerpunkt liegt auf der Anti-Krönungsdemonstration in Berlin. Die dort zur Schau getragene Missachtung sämtlicher Hygienemaßnahmen kritisierten alle drei gleichermaßen. Demonstrationsrecht Die Demo wurde nur abgebrochen, weil der Infektionsschutz nicht durchgesetzt wurde. Die Drei-Mann-Runde brachte überraschend einstimmig und mit voller Überzeugung den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder als Politiker der Stunde in die Peerage. Die Gruppe war besonders beeindruckt von seiner Rolle als geklärter Krisenmanager. "Es ist wirklich etwas Neues, dass ein Bayer aus ganz Deutschland auf den Teller gebracht wurde. Jetzt in Corona ist er der Sieger".

"Er ist krisenfest, integrativ und hat nicht nur vom Schreibtisch aus abgeliefert", bescheinigte ihm auch Tekkal. Und selbst der nicht unbedingt als Freund der Union bekannte Wallraff stimmte sichtbar schweren Herzens in die Lobeshymnen ein: "Leider muss ich zustimmen". Er ist jemand, der die richtigen Einschätzungen vornimmt und Vertrauen in eine Krise schafft. Für Lauterbach war das ein "geschmackloser Versuch", das Leid und Sterben von Kindern in Afrika mit den Corona-Restriktionen in Europa in Verbindung zu bringen: "Wir opfern keine Kinder in Afrika und die Bundesregierung tut es auch nicht".

Dann eröffnete Maischberger mit Lauterbach und Palmer die separate Runde - und beide fielen schnell in die für sie vorgesehenen Rollen. "Sicher sind wir am Anfang der zweiten Welle", sagte Lauterbach zuversichtlich und wie üblich nachdrücklich nüchtern voraus. "Wir können innerhalb weniger Wochen wieder dorthin zurückkehren, wo wir im März waren". Das pessimistische Unternehmen ist mittlerweile zu einer Art Lauterbach-Markenzeichen geworden. Überhaupt schweißte die Maskenfrage beide zusammen: Lauterbach plädierte für das Tragen einer FF2-Maske bei Bahnfahrten, um sich selbst zu schützen und Palmer befand, dass er nach einer vierstündigen Bahnfahrt mit Maske immer "ein bissle Kopfweh" habe: "Aber das ist nicht so schlimm".

Angesprochen auf den zurückliegenden Disput mit Lauterbach, bestätigte Palmer seine kontroverse Sichtweise: "Mir ist das jetzt auch wieder zu apodiktisch und zu apokalyptisch". Er beschuldigte Lauterbach, mit seinen Auftritten Menschen demoralisiert zu haben. "Es blieb mir immer erhalten, dass die Lauterbach-Methode für die nächsten zwei Jahre gelebt werden sollte - und das bedeutet viel Abschluss". "Wir müssen vorsichtig sein, aber man kann mit den Warnungen auch zu weit gehen", so Palmer, im übrigen könne Lauterbach ja auch mal zugeben, dass er sich geirrt habe. "Die zweite Welle, die Sie im Mai und Juni vorhergesagt haben, gab es nicht und eine Verlängerung der von Ihnen beantragten Schließung würde uns 200 Milliarden Euro kosten". Es gibt keine Methode Lauterbach. Zusammen mit vielen anderen Wissenschaftlern handelte er nach bestem Wissen und Gewissen. Einig waren sich beide am Ende immerhin darin, dass man jetzt nicht fahrlässig werden dürfe. Die Gefahr ist noch lange nicht vorbei. Später "rächte" sich Lauterbach an Palmer dann zumindest verbal erneut, als der auf das weltweite Leid der Kinder - dokumentiert durch das Kinderhilfswerk Unicef - hinwies, die der globale Lockdown bringe und der eine "Diskussion der Verhältnismäßigkeit" anmahnte.

Am Ende des Programms diskutierte Maischberger mit dem Politikwissenschaftler Christian Hacke über Donald Trump und die hitzige Situation in den USA in den Monaten vor den Präsidentschaftswahlen. "Jede Vogelscheuche auf dem Weizenfeld sollte Trump schlagen", sagte Hacke. Doch die Umstände seien in den USA ganz besondere.

In einer klugen Analyse skizzierte er ein düsteres Bild einer gespaltenen Gesellschaft im Niedergang. "Trump will wie eine alte Hollywood-Diva den amerikanischen Traum wieder aufschminken, und viele glauben gerne daran, dass sie noch groß sind". Das ist das Verlockende an ihm.

Darauf, dass Trump eine Wahlniederlage akzeptiert, würde Hacke nicht bauen. Selbst die Angst des amerikanischen Volkes vor einem bevorstehenden Bürgerkrieg war nicht weit hergeholt. "Trump hat wie kein anderer innere Unruhen verursacht".

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