Schuldenschnitt: Argentinien einigt sich mit Gläubigern

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Unter den Gläubigern sind große Investmentfonds wie Blackrock, Ashmore und Fidelity. Die Details der Einigung sollen bis zum 24. August unter Dach und Fach gebracht werden. Ohne eine Einigung hätte dem Land die neunte Staatspleite gedroht. Am Wochenende hatten die argentinische Regierung und einige der wichtigsten Anleger die Verhandlungen argentinischen Medien zufolge wieder aufgenommen.

Seit Mai war klar, dass Argentinien seine Schulden nicht mehr bedienen kann. Ohne einen Kompromiss über die Umschuldung der Verpflichtungen hätte das südamerikanische Land, das bereits seit Mai Rückzahlungen in Milliardenhöhe nicht geleistet hat, endgültig zahlungsunfähig werden können. Für das laufende Jahr rechnen Experten mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft um mehr als 12 Prozent, nachdem bereits die beiden Vorjahre in einer Rezession endeten.

Nach monatelangen Verhandlungen waren Argentinien und die Gläubiger zuletzt in eine Sackgasse geraten. Ab 2015 konnte es sich wieder am freien Kapitalmarkt finanzieren - und tat das so ausgiebig, dass die nächste Währungskrise schon wieder in den Kollaps mündete. Und es sei klar, dass Argentinien im Moment gar nichts bezahlen könne, schließlich habe es in den vergangenen Wochen hoher Subventionen bedurft, um einen wirtschaftlichen Zusammenbruch abzuwenden.

Die Übereinkunft, die sich kurzfristig positiv auf dem Finanzmarkt auswirkte, ist für Ökonomen nun ein Ausgangspunkt für weitere Maßnahmen, die die argentinische Regierung zur Stabilisierung und Wiederbelebung der heimischen Wirtschaft ergreifen muss. Spielraum bleibt dabei nur wenig. Deshalb hatte Argentinien von seinen privaten Gläubigern gefordert, auf einen Teil ihrer Forderungen von rund 66 Milliarden US-Dollar (rund 56 Milliarden Euro) zu verzichten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte heuer wegen der Pandemie um etwa zwölf Prozent einbrechen. Denn ähnlich wie in vielen anderen Ländern der Welt wurde Mitte März ein strikter "Lock-down" verhängt, der Fabriken, Geschäfte und Büros zum Stillstand brachte. Das südamerikanische Land hat Staatsschulden in Höhe von 65 Milliarden Dollar erwartet in diesem Jahr einen Wirtschaftseinbruch von 6,5 Prozent.

Argentinien steckt in einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Inflationsrate betrug zuletzt mehr als 50 Prozent. Das Land leidet zudem unter einem aufgeblähten Staatsapparat, geringer Produktivität der Industrie und einer großen Schattenwirtschaft, die dem Staat viele Steuereinnahmen entzieht.

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