Korruption: König Juan Carlos setzt sich wohl in die Karibik ab

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Juan Carlos wird Spanien verlassen.

Für den König war es offenbar keine Überraschung.

Lesen Sie mit BILDplus, warum der Alt-König in die Dominikanische Republik geflohen sein könnte, wo genau er sich mit aller Wahrscheinlichkeit aufhält, wer ihm Schutz bietet und warum seine Reiseroute einem Agenten-Thriller gleicht.

Der unter Korruptionsverdacht stehende frühere spanische König Juan Carlos soll in die Dominikanische Republik geflüchtet sein. Das berichtet unter anderem die dem Königshaus nahestehende Zeitung "ABC".

Die Einwanderungsbehörde des Landes teilte am Dienstag jedoch mit, der 82-Jährige sei "nicht in das Staatsgebiet eingereist". "La Vanguardia" zufolge soll er über Portugal in die Dominikanische Republik gereist sein. Der Palast hat sich nicht zum Aufenthaltsort von Juan Carlos geäußert. Ihm gehört Berichten zufolge auch die gigantische Ferien- und Wohnanlage "Campo de Casa" im Südwesten des Landes.

Juan Carlos hatte zuvor bereits im März einen heftigen Schlag erlitten, als sein Sohn nach einem Bericht des "Telegraph" mit ihm brach. Doch auch das Außenministerium des Karibikstaates dementiert jetzt entsprechende Berichte. Das Königshaus habe Juan Carlos zum Verlassen Spaniens "gezwungen", um die konstitutionelle Monarchie zu retten, so das Blatt. Auf seinen vielen Auslandsreisen war Juan Carlos zusammen mit Königin Sofía das Gesicht des neuen Spaniens. Fast täglich waren neue Einzelheiten über Juan Carlos bekannt geworden, der seine Stellung als Monarch ausgenutzt haben soll, um sich zu bereichern.

Der Rückzug von Juan Carlos ist ein Versuch, größeren Schaden von der spanischen Monarchie abzuwenden. Doch Juan Carlos' Anwalt hat schon angekündigt, dass er auch im Ausland für das Ermittlungsverfahren, das in Madrid gegen ihn eröffnet wurde, zuständig ist.

Gestern Abend war in Madrid ein Brief des ehemaligen Monarchen veröffentlicht worden, in dem er seinen Sohn, König Felipe, über seine Ausreise informierte.

Juan Carlos erspart seinem Sohn Felipe eine schwere Entscheidung. Es wird allerdings vermutet, dass Felipe selbst die Entscheidung getroffen hat. Bei den separatistischen katalanischen Linksrepublikanern (ERC) hieß es hämisch, Juan Carlos sei sicher "nicht der letzte Bourbone, der flieht". Vielmehr werde er den Ermittlern weiter zur Verfügung stehen.

Im Skandal geht es um mutmaßliche Schmiergeldzahlungen beim Bau einer Schnellbahnstrecke in Saudi-Arabien durch ein spanisches Konsortium. Auch in der Schweiz laufen Ermittlungen dazu.

Wegen der Immunitätsrechte von Juan Carlos kann nur der Oberste Gerichtshof Ermittlungen gegen den 82-Jährigen führen.

In Zusammenhang mit dieser Zahlung wird Juan Carlos aber der Geldwäsche und der Steuerhinterziehung nach seiner Abdankung im Juni 2014 verdächtigt. Doch in den vergangenen zehn Jahren erregte er immer wieder Ärger: eine umstrittene Elefantenjagd, Medienberichte über angebliche Seitensprünge und ein Betrugsskandal über Jahre hinweg.

Spaniens EX König Juan Carlos mit seiner Frau Sophia und den Töchtern Elena und Cristina bei einem Handballspiel des Enkels. Später bat er die Öffentlichkeit in der Angelegenheit um Verzeihung.

Juan Carlos von Spanien hat schon für so manche Negativschlagzeile gesorgt - nun ist aus Sicht seines Sohnes Felipe, des amtierenden Königs, das Maß voll.

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