Donald Trump: Kritik für Äußerungen zu verschiedenen Corona-Statistiken

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Der Anfang von denkwürdigen zweieinhalb Minuten. Allerdings beziehen sich die Statistiken auf die Todesfälle bezogen auf die Gesamtzahl der Infizierten.

Das stellt Swan auch sofort klar. "Ich spreche über die Todesfälle bezogen auf die gesamte Population. Dort sind die USA wirklich schlecht", sagte Swan. Diese Zahl wird auch von führenden Wissenschaftlern beim Ländervergleich verwendet.

Nach kurzem Zögern und einem Blick auf die Blätter sagt Trump: "Das können Sie nicht machen!". Auf die Rückfrage Swans, was er damit meine, antwortet der US-Präsident: "Sie müssen die Infizierten-Fälle einbeziehen". Länder mit relativ wenigen Fällen schlimmer.

Der in Cambridge lehrende Statistiker David Spiegelhalter verteidigte Trump via Twitter - weil er nicht der einzige sei, der nicht in der Lage sei, die zwei Zahlen auseinanderzuhalten. "Schauen Sie hier", meinte Trump und zeigte zum Beweis auf verschiedene Ausdrucke von Statistiken.

Trump versteht nicht, warum seine Regierung nicht viel Anerkennung für Tests bekommt - und es war Trump, der sich lange dagegen wehrte.

Nach dem Vorbild von Swan in Südkorea stammelte Trump, um erneut Statistiken über seine Sterblichkeitsrate anzuzeigen.

Tatsächlich betrug die Sterblichkeitsrate in den Vereinigten Staaten bei Hochzeiten im April etwa 2.700 Todesfälle pro Tag. Am Freitag waren es 1.400 pro Tag - nach rund 600 im Juli. Sie steigt also wieder stark an.

Bevor Swan das Thema wechselt, behauptet Trump, dass die Sterblichkeitsrate in Florida sinkt. Swan bezweifelt dies - und tatsächlich ist die Zahl der Todesopfer am Wochenende leicht gesunken. Zuvor war sie allerdings über Wochen kontinuierlich angestiegen. Das steht natürlich nicht auf den drei Seiten von Trump. Dann legt er sie beiseite.

Der Clip ist Teil eines 37-minütigen Interviews.

Die Coronavirus-Pandemie ist nach Darstellung von US-Präsident Donald Trump in den USA unter Kontrolle - zumindest "soweit unter Kontrolle wie man es kontrollieren kann", wie Trump der Nachrichtensite Axios in einem am späten Montagabend (Ortszeit) veröffentlichten Interview erklärte.

Direkt anschließend an die beschriebene Szene zu verzerrten Statistiken der Corona-Todesrate geht es um ein sensibles Thema: die mutmaßlich von Russland beauftragte Tötung von US-Soldaten.

Swan warf dem US-Präsidenten vor, seine Wählerschaft in die Irre zu führen. Swan, der seit 2016 politischer Reporter für Axios ist, soll einer der wenigen Journalisten sein, die Trump Informationen liefern, die Swan nicht unter seinem Namen verbreiten sollte.

Swan war so unter anderem der erste Reporter, der darüber berichtete, dass die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen wird, dass Trumps Chefstratege Steve Bannon gefeuert wird oder dass Trump Jerusalem als israelische Hauptstadt anerkennt. Das geht aus dem Buch "The Trump White House: Changing the action policy" des Washington-Post-Journalisten Ronald Kessler hervor.

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