Commerzbank: Aufsichtsrat sucht Ausweg aus Führungskrise | BR24

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Der frühere Landesbanker Vetter hat sich seiner Zeit an der Spitze der Landesbank Baden-Württemberg und der Bankgesellschaft Berlin einen Ruf als Sanierer erworben, der auch vor weitreichenden Jobstreichungen nicht zurückschreckt.

In einem Brief an die Aufsichtsräte - Cerberus selbst ist im Gremium nicht vertreten - ist von ernsthaften Zweifeln an Vetter die Rede.

Hans-Jörg Vetter soll an die Spitze des Commerzbank-Aufsichtsrats wechseln.

Die Commerzbank hat am Montag einen ersten kleinen Schritt aus der Führungskrise getan, in die sie die kopflosen Abtrittsankündigungen ihres Vorstandsvorsitzenden Martin Zielke und des Aufsichtsratsvorsitzenden Stefan Schmittmann getrieben haben. Der Großaktionär Cerberus hatte sich auch gegen die Wahl von Vetter zum Aufsichtsratschef ausgesprochen.

Cerberus hatte zuvor Widerstand gegen Vetter geleistet und zwei eigene Kandidaten vorgeschlagen. Vetter hat viel Restrukturierungserfahrung bei der LBBW gesammelt, die in der Finanzkrise ab 2007 in Schieflage geraten war. Nach Informationen der Börsen-Zeitung fiel der Beschluss für den 67-Jährigen im ersten Wahlgang einstimmig aus, obwohl Vertreter der Arbeitnehmerseite den Ende vergangener Woche bekannt gewordenen Vorschlag zunächst kritisch gesehen hatten.

Den Vertrag mit Commerzbank-Chef Martin Zielke wird die Bank spätestens zum 31. Dezember 2020 vorzeitig auflösen. Der Manager hatte eingeräumt, dass die im Herbst beschlossenen Maßnahmen nicht durchschlagend genug waren, um die Commerzbank im Zinstief profitabler zu machen.

Angesichts der schlechten Kursentwicklung hatte Cerberus im Juni eine öffentliche Kampagne gegen die Commerzbank-Führungsspitze gestartet. Der US-Investor war 2018 bei der Commerzbank eingestiegen. "Wir würden uns freuen, sie dem Nominierungsausschuss und dem gesamten Aufsichtsrat schnellstmöglich vorstellen zu können". Der Bund hatte die Commerzbank in der Finanzkrise vor gut einem Jahrzehnt vor dem Aus gerettet und ist mit 15,6 Prozent weiterhin größter Aktionär der Commerzbank, vor Cerberus mit gut fünf Prozent. Auf dem Tisch liegen dem Vernehmen nach Pläne, Stellenabbau und Filialschließungen deutlich zu verschärfen.

Die doppelte Rücktrittserklärung von Schmittmann und Zielke hatte die Commerzbank mitten in der Debatte um eine neue Strategie getroffen. Demnach könnte die Zahl der zuletzt knapp 40 000 Vollzeitstellen um bis zu ein Viertel gekappt und das Filialnetz erheblich verkleinert werden.

Zu allem Überfluss verdarb die Corona-Krise der Commerzbank dann auch noch den Start ins Jahr 2020 und lässt das Gewinnziel für das Gesamtjahr wackeln. Analysten rechnen sowohl in diesem Jahr als auch 2021 unter dem Strich mit einem Verlust bei dem Frankfurter Institut. Das aber ist in weite Ferne gerückt.

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