Betroffener im Halle-Prozess befragt den Angeklagten selbst

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Die Eltern und die Halbschwester des Angeklagten hatten zuvor von ihren Zeugnisverweigerungsrechten Gebrauch gemacht.

Der Vater nickte seinem Sohn kurz zu, die Halbschwester wich den Blicken des Angeklagten aus.

Ein Zeuge hat von einzelnen Vorfällen berichtet, bei denen der Angeklagte Stephan Balliet schon früher seine rechtsextreme Einstellung kundgetan hat. Zudem erinnerte der Mann sich an eine Situation in einem Supermarkt als der Angeklagte gegen zwei nicht Deutsch Sprechende ausfällig wurde.

Die zweite Lehrerin nahm außerdem die Mutter des Angeklagten in Schutz, die ebenfalls Lehrerin gewesen war. Ein anderes Mal habe sich Stephan Balliet auch antisemitisch geäußert, schilderte der 31-Jährige am Mittwoch im Prozess vor dem Oberlandesgericht Naumburg.

Nach eigenen Angaben war der Zeuge jahrelang mit der Halbschwester des Angeklagten liiert, hat ein Kind mit ihr und ist dadurch auch noch immer eng mit der Familie verbunden.

Der Prozess läuft seit Dienstag vergangener Woche. Wegen des großen öffentlichen Interesses und aus Sicherheitsgründen erfolgt die Verhandlung im größten Verhandlungssaal Sachsen-Anhalts im Landgericht Magdeburg. Die Richterin unterband das. Im Anschluss sollten der frühere Freund der Schwester sowie ehemalige Mitschüler und Lehrer des Angeklagten vernommen werden.

Am vierten Prozesstag sollen andere dem Gericht berichten, was für ein Mensch der Beschuldigte vor seiner Tat war. Die Bundesanwaltschaft wirft Balliet 13 Straftaten vor, darunter Mord und versuchten Mord.

Die Nebenklage bezweifelt hingegen, dass Verwandte und Bekannte des Angeklagten nichts von dessen rechtsextremem Weltbild gewusst haben.

Am Dienstag hatte das Gericht einen Brief der Mutter vorgelesen, den die Mutter vor einem Suizidversuch in Folge des Anschlags an ihre Tochter, die Halbschwester des Angeklagten, geschrieben haben soll.

Kati Lang, eine Anwältin der Nebenklage, hatte in einer Erklärung die rassistischen, antisemitischen und sexistischen Aussagen des Beschuldigten scharf verurteilt. Zwar möge die juristische Betrachtung, dass der Mann allein gehandelt habe, korrekt sein.

Nach der Befragung des Beschuldigten ergebe sich aber ein anderes Bild: "Der Angeklagte bewegte sich in einem gesellschaftlichen Resonanzraum, insbesondere in Internetforen, die ihn inspirierten, bestärkten und über die er sich einen Nachahmungseffekt erhoffte", sagte Lang. Gleichwohl hätten diese für ihre beiden Kinder immer Zeit gehabt.

Magdeburg - Über den Anschlag redet er gern und viel - bei persönlichen Fragen wird der Angeklagte im Halle-Prozess aber schnell still.

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