Nach Anti-Lockdown-Protest: Wieder Unruhen und Ausschreitungen in Belgrad

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Protest-Teilnehmer warfen leuchtende Geschosse auf Polizisten, die mit dem Einsatz von Tränengas reagierten.

In Belgrad, Novi Sad, Nis und einigen anderen Städten Serbiens wurden am Freitagabend erneut Antiregierungsproteste abgehalten.

Die Demonstrationen hatten sich an Plänen des Präsidenten Aleksandar Vucic entzündet, wegen des Wiederanstiegs der Corona-Neuinfektionen für das Wochenende ein Ausgehverbot zu verhängen. Eine kleinere Gruppe militanter Demonstranten verschaffte sich gewaltsam kurzzeitig Zugang zum Parlament, sie wurden von Bereitschaftspolizisten wieder zurückgedrängt. Gegen Mitternacht flauten die Proteste ab, die Menschenmassen lösten sich nach Medienberichten allmählich auf.

Bereits in den Tagen zuvor kam es zu heftigen Auseinandersetzungen auf den Straßen Belgrads. Am Dienstag und Mittwoch war es in Belgrad zu gewalttätigen Konfrontationen zwischen Demonstranten und den Sicherheitskräften gekommen. Nach offiziellen Angaben wurden 23 Menschen festgenommen. Die Demonstranten warfen Steine und Feuerwerkskörper auf die Polizisten.

Die Opposition wirft Vucic einen zunehmend autokratischen Führungsstil vor.

Ende Mai hob Vucic den Ausnahmezustand auf und setzte die im April geplanten und verschobenen Parlamentswahlen für den 21. Juni an, die seine Regierungspartei SNS - unter dem Boykott der meisten Oppositionskräfte - haushoch gewann. Wie schon am Vorabend kam es zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Bereitschaftspolizisten.

Zunächst waren die Demonstrationen friedlich verlaufen. Während Nationalisten vor allem mit der Kosovo-Politik des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic unzufrieden sind, werden von Anhängern anderer Gruppierungen die Regierungspolitik und ihr Coronavirus-Management kritisiert. Ihre Mitstreiterin Danijela Ognjenovic sagte, die Leute hätten genug von "frisierten" Corona-Statistiken und seien "sehr wütend". N1 veröffentlichte Aufnahmen, auf denen Polizisten zu sehen waren, die mit Schlagstöcken auf drei friedlich auf einer Bank sitzende Männer einschlugen.

Vucic räumte ein Versagen einzelner Polizeibeamter ein. Unter ihnen seien "viele ausländische Staatsbürger", sagte Polizeichef Vladimir Rebic heute.

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