Serbien: Menschen wollen Parlament stürmen aus Protest gegen Beschränkungen

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Brüssel - Trotz eines Versammlungsverbots haben den dritten Abend in Folge wieder Tausende in Belgrad gegen den Präsidenten Aleksandar Vucic und die von ihm verhängten Corona-Restriktionen demonstriert. Die Radikalen, zumeist aus dem Milieu der Fußball-Hooligans stammend, warfen Steine und Feuerwerkskörper auf die Polizisten.

Die Militanten lösten sich bei den Protesten in Serbien von den friedlichen Demonstranten ab und suchten den Konflikt mit der Polizei, wie die Zeitung "Danas" am Donnerstag berichtete. Wie schon am Vorabend kam es zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Bereitschaftspolizisten.

Doch haben Geheimdienste zur Diskreditierung der Proteste gar ihre Hooligan-Hilfstruppen in den Kampf gegen die eigene Polizei geschickt? Gewaltsame Zusammenstöße zwischen Polizeibeamten und Demonstranten gab es auch in den das Parlament umgebenden Straßen. Am Donnerstagmorgen war die Lage wieder ruhig. Die Androhung der Verhängung der Ausgangssperre sei nur der Anlass für die Proteste, denen eine grundlegende Unzufriedenheit über die Alleinherrschaft von Vucic zugrunde liege: "Man muss einen Unterschied machen zwischen eingeschleusten Regime-Provokateuren und jungen Leute, die selbst zum Kampf gegen das Regime bereit sind". Nach Angaben der Rettungsdienste wurden 13 Polizisten und sieben Demonstranten verletzt.

Am späten Dienstagabend hatten Einsatzkräfte Tränengas eingesetzt, nachdem eine Gruppe von rund 100 gewalttätigen Demonstranten kurzzeitig ins Parlamentsgebäude eingedrungen war.

In der serbischen Hauptstadt Belgrad ist es nach der Ankündigung verschärfter Coronavirus-Einschränkungen erneut zu Ausschreitungen gekommen.

Bereits in den Tagen zuvor kam es zu heftigen Auseinandersetzungen auf den Straßen Belgrads
Bereits in den Tagen zuvor kam es zu heftigen Auseinandersetzungen auf den Straßen Belgrads

Die Demonstranten forderten Präsident Aleksandar Vucic (50) in Sprechchören zum Rücktritt auf.

Vucic hatte nur wenige Stunden zuvor im Fernsehen angesichts des Infektionsgeschehens eine neue Ausgangssperre für das kommende Wochenende angekündigt. Die Maßnahmen, die viel härter waren als etwa in den Nachbarländern Kroatien und Ungarn, waren unbeliebt, führten aber zu einer signifikanten Eindämmung der Pandemie. Tausende setzten sich vor dem Parlament nieder. Zuletzt hatte es im Mai eine Ausgangssperre gegeben.

Doch seit gut zwei Wochen stecken sich wieder um die 300 Menschen pro Tag nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 an. Besonders die Hauptstadt sei stark betroffen. Vucic hatte am Dienstag erklärt, dass die Krankenhäuser in Belgrad bereits mit Patienten voll seien.

Für den Donnerstag kündigte der Präsident die Bekanntgabe von neuen Anti-Corona-Maßnahmen an.

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