Erneut Razzia bei Wirecard in Deutschland und Österreich

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"Zwölf Staatsanwälte vor Ort werden dabei von 33 Polizeibeamten und weiteren IT-Fachleuten des Polizeipräsidiums München und ihren österreichischen Kollegen unterstützt", schrieb die Staatsanwaltschaft in ihrer Mitteilung. Braun ist Österreicher und lebt mit seiner Familie in Wien.

Die Staatsanwaltschaft München I durchsucht seit Mittwochmorgen die Geschäftsräume von Wirecard. Dazu gehören Insidern zufolge Finanzinvestoren, aber auch Rivalen wie die französische Worldline. Der vorläufige Gläubigerausschuss hat demnach bereits grünes Licht für die internationale Suche nach Investoren unter Einschaltung von Investmentbanken gegeben.

Die Amerika-Tochter Wirecard North America hatte sich bereits am Dienstag zum Verkauf gestellt. Die Verkaufserlöse kämen damit den Gläubigern der Wirecard AG zugute.

Nicht nur Geld geht Wirecard verloren, sondern auch Kunden. "Auszahlungen an Händler und Kunden der Wirecard Bank werden ohne Einschränkungen ausgeführt", betonte Jaffé.

Ein schwacher Trost für die weltweit 5.800 Mitarbeiter: Der Betrieb soll nach Möglichkeit nicht unterbrochen oder eingestellt werden: "Vordringlichstes Ziel im vorläufigen Insolvenzverfahren ist es, den Geschäftsbetrieb der Konzerngesellschaften zu stabilisieren", hieß es in Jaffés Mitteilung. Bei Wirecard arbeiten weltweit etwa 5.800 Menschen.

Unterdessen mehren sich die Anzeichen, dass der Wirecard-Aufsichtsrat Ex-Vorstandschef Markus Braun eine erhebliche Mitverantwortung für die Affäre um mutmaßliche Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro gibt. Braun war zwar bereits vor knapp zwei Wochen zurückgetreten, doch enthalten Arbeitsverträge von Spitzenmanagern üblicherweise auch Regelungen für Abfindungen und Altersvorsorge.

Allerdings sind sowohl der Aufsichtsrat als auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, die die Jahresbilanzen von Wirecard testierte, mit Klagen und Klagedrohungen wütender Anleger konfrontiert.

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Nach derzeitigem Stand hatten Wirecard-Manager einen beträchtlichen Teil der Umsätze und Gewinne des Unternehmens in Südostasien und im Mittleren Osten frei erfunden. Die mutmaßlichen Scheingeschäfte wurden als Umsätze und Gewinne mit Subunternehmern verbucht, die angeblich im Auftrag von Wirecard Zahlungen abwickelten. Anfang vergangener Woche hatte Wirecard schließlich eingeräumt, dass insgesamt 1,9 Milliarden Euro Guthaben auf südostasiatischen Treuhandkonten mit "überwiegender Wahrscheinlichkeit" nicht existieren. Kritiker werfen der BaFin Versäumnisse bei der Kontrolle des Zahlungsdienstleisters und damit eine Mitschuld an dem milliardenschweren Bilanzskandal vor. Dabei steht für Hufeld einiges auf dem Spiel: Von dem Auftritt hinter verschlossenen Türen dürfte abhängen, ob der 59-Jährige weiter oberster deutscher Finanzaufseher bleibt. Die App wurde mit Wirecard entwickelt.

Die Allianz muss unterdessen ihre Bezahl-App "Pay&Protect" einstellen.

Die "Financial Times" erhob inzwischen neue Vorwürfe in dem Skandal.

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