"Luder" laut Büro von Tiroler VP-Landesvize "nicht zwingend negativ"

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Die von Tirols Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP) als "widerwärtiges Luder" bezeichnete WWF-Aktivistin will es nicht bei einer schriftlichen Entschuldigung bewenden lassen, sondern verlangt auch eine mündliche Entschuldigung Geislers. Geisler müsse sich entschuldigen, ansonsten sei er "rücktrittsreif". Später korrigierte er dies und entschuldigte sich, auch mit einem Mail bei der Aktivistin.

Diese verurteilte den Sager Geislers als "verbale Entgleisung". "Es gibt jedenfalls noch sehr viel Erklärungsbedarf", schrieb sie am Freitagabend auf Twitter.

"Darin habe ich auch richtiggestellt, dass nicht ich unterbrochen wurde, sondern die Aktivistin von mir unterbrochen wurde". "Da gibt es keine Entschuldigung", meinte Frauensprecherin Evelyn Achhorner. "Weitere wortreiche Erklärungen" könnten dem 'Es tut mir leid.

Liste Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider konnte das Schweigen Felipes ebenfalls nicht nachvollziehen: "Das ist völlig inakzeptabel und irritierend", meinte sie.

Indes nahm sich auch die "Süddeutsche Zeitung" dem Aufreger an.

Den Rücktritt Geislers forderten nach Bekanntwerden des Falls die Tiroler Freiheitlichen. Der ÖVP-Politiker habe den Begriff Luder "ohne jedwede Aggression verwendet", so die Sprecherin. Das Wort würde in Tirol umgangssprachlich für eine "schlitzohrige, hartnäckige Person" verwendet und sei nicht zwingend negativ. Zudem bezeichne "Luder" in der Jägersprache einen Köder zum Anlocken von Raubtieren.

Die grüne Landtagsvizepräsidentin Stephanie Jicha meinte: "So eine frauenfeindliche und sexistische Aussage geht einfach gar nicht".

Aussagen, die den Tiroler Neos-Landessprecher Dominik Oberhofer auf die Palme brachten und "entsetzten": "Diese Aussagen lassen tief blicken, man ist sich keiner Schuld bewusst. Solche Aussagen und Rechtfertigungen haben in einer Regierung keinen Platz". Die Politikerinnen forderten "klare Worte der Distanzierung" und eine Stellungnahme von Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und der Bundes-ÖVP. Er sprach von einer "indiskutablen Entgleisung" seines Regierungsmitgliedes. Eine Entschuldigung ohne Ausrede sei in diesem Fall das Mindeste. Indes hielt die Kritik an Geisler seitens der politischen Mitbewerber an. "Wenn 'widerwärtiges Luder' nicht sexistisch ist, was dann", so Jicha.

Der Vorfall ereignete sich am Mittwoch in Innsbruck bei der Übergabe einer Petition gegen ein Wasserkraftwerk. Die Aussage war auf einem Video zu hören, das von der Naturschutzorganisation anschließend auf Youtube publiziert wurde.

Bevor Geisler die WWF-Aktivistin als "widerwärtiges Luder" bezeichnete, gab es einen Wortwechsel zwischen Geisler und der Frau über die Verschlechterung von Flüssen.

Die Frau fuhr fort und sprach weiter über den Ausbau der Wasserkraft, woraufhin Geisler zu Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) meinte: "Siehst, die lässt mich gar nicht reinreden".

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