Liebe zu Berlin muss man sich erarbeiten

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So werden sie regelrecht aneinandergeklatscht: der Indus-trietaucher, der Brückenköpfe unter Wasser wartet, und die traurig wirkende Schöne, von der er nicht wissen kann, dass sie eine Wasserfrau ist. Die Kamera - die seit Jahren in Petzolds Filmen von Hans Fromm übernommen wird - fängt Paula Beer und Franz Rogowski mit einer Leichtigkeit ein, die den Zauber des Films unterstützt. Auf der anderen Seite sind Undines nüchtern-faktische Vorträge zu Modellen des Berliner Stadtbilds.

90 Minuten lang holt "Undine" sein Publikum in eine faszinierende Filmwelt, konzentriert sich auf einen Mythos und schafft es dank Umdeutung trotzdem, die Realität harmonisch miteinfließen zu lassen. Und wehe, sie wird verschmäht. Dann muss sie die Untreuen mit in die Tiefe ziehen. Schon die Anfangsszene funktioniert wie ein Weckruf, denn die Frau mit den roten Haaren, die mit ihrem Freund im Café vor dem Märkischen Museum in Berlin sitzt und gerade erfahren hat, dass er mit ihr Schluss machen will, bricht nicht etwa in Beschimpfungen oder haltloses Schluchzen aus, sondern sagt seelenruhig: "Du weißt, wenn du mich verlässt, muss ich dich töten". Und mahnt ihn, dass er, wenn er jetzt geht, sterben muss. Undine lernt stattdessen den Industrietaucher Christoph (Franz Rogowski), der sie um ihrer selbst willen liebt, kennen. Und so beginnt eine wirklich wundersame Liebesgeschichte.

Der "Undine"-Stoff ist schon oft erzählt worden, als Erzählung von Friedrich de la Motte Fouqué, als Oper von Albert Lortzing, als Märchen von Hans Christian Andersen ("Die kleine Meerjungfrau"), sogar als feministischer Monolog von Ingeborg Bachmann ("Undine geht")". Die Mär ist auch schon mehrfach verfilmt worden, zuletzt eher wenig überzeugend als "Ondine - Das Mädchen aus dem Meer" von Neil Jordan.

Nun erzählt Christian Petzold sie neu und bürstet sie gegen den Strich. Auch in seinem neuen Projekt, in dem er sich mit einem alten Nixen-Mythos auseinandersetzt. Weil es nicht länger leiden und töten will, weil es ganz modern aussteigen will, um völlig Mensch zu werden und sich irdisch zu binden. Sie fasziniert seine Welt unter Wasser, ihn ihre Klugheit.

Der deutsche Regisseur Christian Petzold ist mit seinen Filmen auf der Berlinale bereits ein Stammgast.

Gespenster, Wesen nicht von dieser Welt, die durch die Realität stolpern und doch nicht dazugehören. "Diese Liebe zu der Stadt kommt nicht von selber". In der sich ein Pärchen verliebt, in das sich der Zuschauer quasi mitverliebt und von dem er hofft, dass es ein Happy End geben möge. Ihre Geschichten sollen die Spielorte verzaubern.

Dass man so stark mit diesem Liebespaar mitbangt, liegt vor allem an dem starken Zusammenspiel seiner Hauptdarsteller Paula Beer und Franz Rogowski. Petzold sieht den Film auch als Liebeserklärung an eine Stadt, die man sich "erarbeiten müsse".

Petzold gehört zu den Vertretern der sogenannten Berliner Schule. Ist das nötig, um die Stimmung, die "Undine" ausmacht, zu transportieren?

Hat gut lachen: Paula Beer (r.) ist derzeit als Schauspielerin gefragt. So simpel ist die am Ende dann natürlich doch nicht, dafür ist Christian Petzold auch einfach ein viel zu starker Erzähler - der aber dieses Mal nicht den richtigen Endpunkt findet.

Der Film strahlt in vielen Szenen eine zauberhafte Schönheit aus. Dass sie nun erst mal nicht mehr miteinander drehen wollen, hat beide für neue Ausrichtungen freigemacht.

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