Sacharow-Preis an Tochter von Ilham Tohti überreicht

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Straßburg. Das EU-Parlament hat den in China inhaftierten uigurischen Regierungskritiker Ilham Tohti mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit ausgezeichnet. Seine Tochter nahm den Preis stellvertretend für Tohti in Straßburg entgegen.

Der Intellektuelle Tohti ist einer der bekanntesten Vertreter der muslimischen Minderheit der Uiguren in China.

Sie wollen einmalig die Ausgabe mit dem Bericht kaufen? "Die chinesischen Behörden nannten ihn 'Separatist' und sperrten ihn weg", sagte seine Tochter Jewher Ilham bei der Preisübergabe.

Die Mitgliedsländer der Europäischen Union sollten China zur Verantwortung ziehen.

Jewher Ilham schloss in ihrer Ansprache im EU-Parlament an den mäßigenden Kurs ihres Vaters an: "Es geht nicht darum, China zu bekämpfen, sondern darum, Menschenrechte zu schützen", sagte die 25-Jährige.

Der Sacharow-Preis wird seit 1988 vom Europäischen Parlament an Persönlichkeiten oder Organisationen verliehen, die sich für die Verteidigung der Menschenrechte und der Meinungsfreiheit einsetzen.

Das EU-Parlament will sich am Donnerstag in einer Resolution zur Lage der Uiguren in China positionieren. Tohti war Professor der Minderheiten-Universität (Minzu Daxue) in Peking und galt als gemäßigte Stimme, die auf Dialog bedacht war.

Tohti bezahle einen hohen Preis für seinen Kampf, sagte EU-Parlamentspräsident David Sassoli.

Das Europäische Parlament ist auf der Liste der Institutionen, die sich bei der chinesischen Regierung unbeliebt gemacht haben, ein Stück nach oben gerückt - und das ist eine gute Nachricht. Tohtis Kampf habe den Dialog, Mäßigung und die kulturelle Vielfalt in China beleuchtet.

Das ungewöhnlich harsche Urteil im September 2014 gegen den Pekinger Wirtschaftsprofessor erscheint heute als Vorläufer der verschärften Verfolgung des Turkvolkes in der Nordwestregion Xinjiang. Mehr als eine Million Uiguren und andere Muslime befinden sich dort Menschenrechtsaktivisten zufolge in Umerziehungslagern, wo sie demnach willkürlich festgehalten und teils misshandelt werden. Sie forderte die chinesische Regierung auf, wieder Besuch von Familienmitgliedern bei ihrem Vater zu erlauben. Das Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ) hatte Ende November geheime Dokumente der Kommunistischen Partei China enthüllt. Die Unterlagen zeigen zudem, wie Uiguren gezielt überwacht werden und eine große Datenbank alle möglichen Informationen sammelt, um Verdächtige zu ermitteln.

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