Neue Welle der Gewalt in Hongkong

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Dutzende Aktivisten wurden festgenommen. Die Gegenreaktion ließ nicht lange auf sich warten: Ein Großaufgebot von Sicherheitskräften wurde mobilisiert. In Filmaufnahmen Hongkonger Medien ist zu sehen, wie junge Leute gefesselt abgeführt wurden. Diese setzte wiederum Tränengas und Gummigeschosse ein.

Die Sicherheitskräfte haben Hunderte von Demonstranten umzingelt, die sich seit Sonntagabend an der Polytechnischen Universität von Hongkong verschanzt haben.

Bei Sonnenaufang hatte die Polizei ihrerseits versucht, das Gelände zu stürmen, daraufhin warfen die Protestierenden Molotowcocktails und legten Feuer am Haupteingang. Es entwickelte sich eine Art Belagerungszustand.

"Die Konfrontation ist vorerst ausgesetzt", sagte der demokratische Abgeordnete Ted Hui, der seit Sonntag mit den Studenten ausharrte, am Morgen der Zeitung.

Die Polizei errichtete am Montag Absperrungen um den Komplex und schlug mehrere Ausbruchsversuche mit Gummigeschoßen und Tränengas zurück. Einige Demonstranten wurden von Beamten zu Boden gerissen und mit vorgehaltener Waffe festgenommen. Die Polizei bestritt, das Gelände inzwischen "gestürmt" zu haben. Nur einigen Dutzend gelang auf spektakuläre Weise die Flucht.

Der Hongkonger Demokratie-Aktivist Joshua Wong rechtfertigte den Einsatz von Gewalt durch Demonstranten in der chinesischen Sonderverwaltungszone. In der Nacht zu Montag legten sie Feuer am Haupteingang, um ein Eindringen der Polizei zu verhindern.

Als sich die Polizei in den Morgenstunden dem verbarrikadierten Eingangstor der Universität näherte, zogen sich die Demonstranten in den Campus zurück und entfachten Brandsätze am Eingangstor sowie auf einer Fußgängerbrücke. "Wenn sie mit solchen gefährlichen Aktionen fortfahren, haben wir keine andere Wahl als ein Mindestmaß an Gewalt anzuwenden, darunter scharfe Munition, um zurückzuschießen", schrieb Polizeisprecher Louis Lau in einem Facebook-Beitrag.

Die seit fünf Monaten andauernden Proteste hatten seit vergangener Woche ein neues Ausmaß erreicht. 38 Menschen wurden verletzt.

Auch am Montag ist mit neuen, schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und den Sicherheitsbehörden zu rechnen. Schwarz vermummte Aktivisten bauten neue Barrikaden und warfen Steine auf Autos, wie es in Medienberichten hiess.

Auch in anderen Teilen der Stadt kam es am Montag zu Protesten: In den Vierteln Tsim Sha Tsui und Jordan ging die Polizei mit Tränengas gegen Menschenansammlungen vor.

Bei gewaltsamen Zusammenstössen an der Polytechnischen Universität PolyU wurde zuvor ein Polizist von einem Pfeil verletzt.

Am Wochenende sind die Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong dramatisch eskaliert.

Die Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungsregion richten sich gegen die Regierung.

Mehr als 10.000 Soldaten der Volksbefreiungsarmee sind seit der Rückgabe der britischen Kronkolonie 1997 an China in Hongkong stationiert.

In einer überraschenden Wende verwarf indes ein Gericht in Hongkong das derzeitige Vermummungsverbot als verfassungswidrig. Die Beschränkungen der Persönlichkeitsrechte gingen weiter als notwendig. Es hänge von den Details und den damit verfolgten Zielen ab.

Hongkong: Erstmals seit Beginn der massiven Proteste waren chinesische Soldaten im Einsatz. Dem Branchendienst Routes Online zufolge streichen immer mehr asiatische Fluggesellschaften Flüge dorthin. Vergangene Woche hatte Hongkongs größte Fluglinie Cathay Pacific davor gewarnt, dass die Geschäftsaussichten wegen der Auseinandersetzungen in Hongkong "herausfordernd und unsicher" seien. Auch verschiedene chinesische Fluglinen, darunter Air China und China Eastern beantragten demnach eine Kapazitätsreduzierung. Im August hatten Soldaten in einem großen Manöver nur wenige Kilometer von Hongkong entfernt demonstrativ den Straßenkampf geübt.

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