Bahn will Konzerntochter Arriva nun vorerst doch behalten

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Der Verkauf sollte eigentlich zusätzliche Milliarden für die Bahn in Deutschland bringen. Die zu erwartenden Erlöse lägen erheblich unter dem Buchwert, hieß es demnach im Umfeld des Konzerns.

Im Machtkampf bei der Deutschen Bahn soll Konzern- und Aufsichtsratskreisen zufolge Finanzvorstand Alexander Doll noch am Donnerstag aus dem Amt gedrängt werden.

Die Bundesregierung ist mit dem Versuch einer sofortigen Ablösung von Bahn-Finanzvorstand Alexander Doll nach Informationen des SPIEGEL und der Nachrichtenagentur Reuters vorerst gescheitert. Aufsichtsratschef Michael Odenwald habe Stunden vor der am Nachmittag geplanten Sondersitzung des Gremiums Doll zum freiwilligen Rückzug aufgefordert, sagen mit der Personalie Vertraute. Er sei deshalb bei Verkehrsminister Scheuer einbestellt worden. Das Verkehrsministerium wollte sich vor Ende der Aufsichtsratssitzung nicht äußern.

Doll war vorgeworfen worden, Regierung und Aufsichtsrat beim geplanten Verkauf der Nahverkehrstochter Arriva zu spät und unzureichend informiert zu haben.

Abberufen werden könnte Doll schon bei der Aufsichtsratssitzung am Donnerstagnachmittag. Zudem habe er im Aufsichtsrat sowohl bei Vertretern der Eigentümerseite als auch im Gewerkschaftslager Fürsprecher. Beide Seiten wollen sich noch zu Beratungen treffen. In Aufsichtsratskreisen heißt es, es sei noch unklar, ob Odenwald in seinem Gremium eine Mehrheit organisieren könne. Er werde als Reformer im Unternehmen gesehen. Als seine Gegenspieler gelten Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla und Bahnchef Richard Lutz.

In Medienberichten war von einem möglichen Erlös von bis zu vier Milliarden Euro die Rede. In der Summe würde dies insgesamt anderthalb Millionen Euro ausmachen. Arriva betreibt Busse und Bahnen in 14 europäischen Ländern, macht aber gut 60 Prozent seines Umsatzes in Großbritannien, wo es auch seinen Sitz hat. Ein Börsengang birgt Risiken, weil nicht sicher ist, wann und wie Großbritannien aus der EU austritt.

Die Bahn ist hoch verschuldet. Nachdem der geplante Verkauf sich hingezogen hatte, entschied der Aufsichtsrat im September, zunächst über eine Anleihe bis zu zwei Milliarden Euro frisches Geld aufzunehmen. Die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, Sigrid Nikutta, soll das Gütergeschäft nach einem Vorschlag des Personalausschusses aus den roten Zahlen holen und dafür einen Posten im Konzernvorstand bekommen. Doll, der die Krisensparte bislang mitführte, wollte diese abgeben.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete am Donnerstag unter Berufung auf Aufsichtsratskreise, dass die angeschlagene Bahngütertochter DB Cargo ihren Verlust im laufenden Jahr deutlich ausweitet. Nikutta hat den Kreisen zufolge die Unterstützung sowohl des Arbeitnehmerlagers als auch die von Doll.

Der geplante Anstieg der Managergehälter hatte in der Öffentlichkeit Empörung ausgelöst, nachdem am Wochenende bekannt geworden war, dass für Teile des sechsköpfigen Bahn-Vorstandes das Gehalt von 400.000 Euro auf 585.000 Euro pro Jahr steigen soll.

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