Lufthansa ändert Boarding-Verfahren: So soll es bald schneller gehen

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Was sicherlich generell das Reisen angenehmer (und das Boarding schneller) machen wird, ist eine grössere Ablagefläche wie im neuen Embraer-Jet; so kann der Reisekoffer ohne Mühe im Fach untergebracht werden. Nicht betroffen sind die Flughäfen Zürich und Genf.

Endlich Schluss mit dem Gerangel beim Einsteigen? Lufthansa testete dieses neue System, dass sich "Wilma" (Window, Middle and Aisle, dt.: Fenster, Mitte, Gang) nennt, schon im Frühjahr und ist überzeugt davon: "Für das Boarding sind 20 Minuten angesetzt, und mit dem 'Wilma'-System war es zwei bis drei Minuten schneller abgeschlossen", erklärte eine Sprecherin der Airline dem Online-Portal Reisereporter.

Im Kern dreht sich das System um die Reihenfolge beim Einsteigen: Die Passagiere werden künftig danach aufgeteilt, ob sie einen Platz am Fenster, in der Mitte der Sitzreihe oder am Gang gebucht haben. Daher setzen die meisten amerikanischen Fluggesellschaften, aber auch Air France und British Airways schon seit längerer Zeit auf "Wilma".

Der Lufthansa-Konzern will dieses Konzept über den Winter einführen, und zwar auf den Europaflügen seiner Netzgesellschaften Lufthansa, Austrian und Swiss. Bei der AUA kommt die neue Boarding-Variante vorerst nur bei ausgewählten Destinationen zum Einsatz, etwa bei Flügen von London, Kopenhagen oder Tel Aviv nach Wien. Das heisst: Zuerst kommen Familien mit Babys und Kleinkindern, allein reisende Kinder sowie Reisende mit eingeschränkter Mobilität an die Reihe.

Dann kommen in den Gruppen 1 und 2 die privilegierten Stammkunden (Senatoren, Hons) sowie Passagiere mit teuren Business- oder Ecoflex-Tickets, unabhängig von der gebuchten Sitzposition.

Der Grund für das Abseitsstehen: In Zürich und Genf seien bereits früher Massnahmen zur Optimierung des Boardingprozesses erfolgreich eingeführt worden, sagte der Sprecher. Diese seien nicht ohne weiteres mit neuartigen Prozessen vereinbar.

Die Lufthansa verspricht sich von "Wilma" eine wertvolle Zeitersparnis beim Einsteigen.

Auf der für Wenigflieger ohnehin schon komplexen Bordkarte werden die Lufthansa-Gesellschaften neben Abflug-Gate und Sitzplatznummer eine weitere Rubrik eintragen, nämlich die Boarding-Gruppen 1 bis 5. Die ersten beiden Gruppen sind dieselben wie beim heutigen System - das bei der Swiss noch gilt. Erfahrene Flugreisende sind skeptisch. Seitdem die Airlines für jedes aufgegebene Gepäckstück zusätzliche Gebühren verlangen, reicht der Platz auf einem voll besetzten Mittelstreckenflug nur noch für die Utensilien einer guten Hälfte der rund 200 Passagiere.

Ein weiteres Problem: Viele Fluggäste sind zu Beginn des Boardings noch gar nicht am Flugsteig, sondern hetzen als Umsteiger auf den letzten Drücker zum Flieger. Egal, wie gut eine Boarding-Methode ist – es können jeweils bis ganz am Schluss des Boarding-Prozesses Passagiere mit einem Fensterplatz ins Flugzeug kommen. "Natürlich gehen wir im Zuge der Umstellung auch das Thema Handgepäck an", sagte Scherber. Auch das Problem mit dem vielen Handgepäck möchte Lufthansa künftig angehen: Laut Airline gibt es inzwischen deutlich mehr Kontrollen und zudem verstärkt Aufforderungen, die Taschen und Rollkoffer doch noch kurz vor Abflug freiwillig und unentgeltlich abzugeben. Doch letztlich behalten viele Menschen ihre Sachen gerne bei sich, auch um am Zielflughafen Zeit zu sparen. Mit dem neuen Boarding-Prozess geht diese Rechnung für Menschen, die gerne am Gang sitzen, wohl seltener auf. Laut Swiss hat man bereits mit Einführung des Economy-Light- Tarifs, der kein aufgegebenes Gepäck im Flugpreis enthält, zahlreiche Massnahmen ergriffen, um die Handgepäckmenge und damit auch das Boarding-Verfahren besser zu steuern.

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