Präsidentschaftswahl in Litauen: Kandidaten müssen in Stichwahl - Ministerpräsident tritt zurück

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Nach Auszählung fast aller Wahlbezirke konnten der unabhängige Wirtschaftsexperte Gitanas Nauseda und die ehemalige Finanzministerin Ingrida Simonyte die meisten Stimmen auf sich vereinen.

Ihr Mitbewerber Saulius Skvernelis ist der Kandidat der gemässigten Linken und amtierender Regierungschef. Der Präsident ist im politischen System Litauens in erster Linie für die Außenpolitik zuständig, was vor allem mit Blick auf den mächtigen Nachbarstaat Russland von großer Bedeutung ist.

Die Präsidentenwahl in Litauen wird in einer in zwei Wochen stattfindenden Stichwahl entschieden. "Dass es mir nicht gelungen ist, in die zweite Runde einzuziehen, ist eine Bewertung von mir als Politiker", sagte Skvernelis. Insgesamt hatten sich neun Kandidaten um die Nachfolge von Grybauskaite beworben.

Gemeinsam haben Simonyte, Skvernelis und Nauseda ihre pro-europäische Ausrichtung.

Kommentatoren und Politologen sehen Nauseda bei der Stichwahl in der besseren Ausgangsposition, weil er eine breite Wählerbasis anspreche. Skvernelis hatte zuvor am Wahlabend sein derzeitiges Amt mit dem Ausgang der Präsidentenwahl verknüpft.

Knapp 2,5 Millionen Wahlberechtigte waren zur Abstimmung aufgerufen.

Während Grybauskaite nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren darf, stehen die Chancen gut, dass eine Frau ihre Nachfolge antritt. Beide verfehlten aber die absolute Mehrheit - und gehen nun am 26. Mai - parallel zur Europawahl - in ein Duell um das höchste Staatsamt in dem baltischen Land. Gleichzeitig hatte sie angekündigt, gegen eine Spaltung des Landes in Stadt- und Landbevölkerung zu kämpfen: "Wir können Vilnius nicht vom Rest des Landes isolieren", sagte Simonyte unlängst bei einem Wahlkampfauftritt.

In Litauen hat das Staatsoberhaupt vorwiegend repräsentative Aufgaben, im Vergleich zum deutschen Bundespräsidenten aber weitergehende Kompetenzen in der Außen- und Verteidigungspolitik.

Das dominierende Thema im Wahlkampf waren Einkommensungleichheit und Armut - dabei wuchs die litauische Wirtschaft zuletzt stark.

In den vergangenen Jahren ist das Einkommensniveau in Litauen um rund zehn Prozent gestiegen - ein aussergewöhnlicher Wert, der das durchschnittliche Bruttogehalt auf aktuell rund 970 Euro hochtrieb. Allerdings ist die Schere zwischen Arm und Reich weiter gross.

Zeitgleich mit der Präsidentenwahl wurden zwei Volksabstimmungen abgehalten. Die Einwohner des Ostseestaats stimmten einerseits über die Einführung einer doppelten Staatsbürgerschaft und andererseits über die Verringerung der Abgeordnetenanzahl im litauischen Parlament ab.

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