Ärzte müssen Schmerzensgeld zahlen, weil sie Frau mit falschem Sperma befruchteten

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Hamm - Trägt eine durchgeführte Befruchtung mit "falschem" Sperma zu einer körperlich-psychischen Belastung der Mutter bei?

Letzten Endes brachte die Frau im Januar 2007 ein Mädchen zur Welt, das ihre Lebenspartnerin im Jahr 2008 als gemeinschaftliches Kind annahm. Dem lag der Wunsch der Mutter zugrunde, Vollgeschwister als Kinder zu haben. So urteilten die Richter des Oberlandesgerichts Hamm und sprachen einer Mutter ein Schmerzensgeld von 7500 Euro zu.

Eine in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebende Frau hatte einen Behandlungsvertrag mit einer Arztpraxis in Münster über eine künstliche Befruchtung geschlossen. 111 O 83/14). Die Frau hatte zwei künstliche Befruchtungen durchführen lassen und wollte, dass die Kinder den selben Spender abstammen. Da ihre beiden Kinder aber unterschiedliche Blutgruppen hatten, hakte die Klägerin bei den Ärzten nach - und erfuhr schließlich, dass das Mädchen und der Junge nicht mit dem Samen desselben Spenders gezeugt wurden.

Diese Nachricht habe bei ihr eine körperlich-psychische Belastungssituation mit Erschöpfungszuständen, depressiven Episoden und Schuldgefühlen gegenüber beiden Kindern ausgelöst, machte die Frau vor Gericht geltend. Doch nachdem das Gericht die Psychotherapeutin der Mutter vernommen und ihre Krankenunterlagen ausgewertet hatte, stellte das Landgericht Münster die von der Mutter behaupteten gesundheitlichen Beeinträchtigungen fest.

Eine Frau bekommt ein Kind durch eine künstliche Befruchtung.

Die Ärzte akzeptierten allerdings nicht das Urteil und gingen in Berufung. Es könne dabei offenbleiben, ob der haftungsbegründende Schaden der Mutter bereits in der zweiten Insemination liege, die pflichtwidrig mit dem falschen Sperma durchgeführt worden und nicht von ihrer Einwilligung gedeckt gewesen sei. Gericht: Ärzte haften für körperlich-psychische Auswirkungen Jedenfalls hafteten die Ärzte für die körperlich-psychischen Auswirkungen der Pflichtverletzung, die die Mutter selbst getroffen hätten.

Aufgrund der Situation musste sie sich in psychologische Behandlung begeben. Auch das OLG gelangte zu der Auffassung, die zur Behandlung der Klägerin erforderliche Langzeittherapie sei durch die Pflichtverletzung der Ärzte mitverursacht worden. Für diese habe das LG zu Recht ein Schmerzensgeld von 7.500 Euro zugesprochen. Nach der Geburt eines Mädchens wollte die Frau ein weiteres Kind, das von dem gleichen Samenspender stammen sollte. Gleichwohl aber entschied das Gericht, dass die beiden in dem Prozess ebenfalls klagenden Kinder der Klägerin von den Ärzten Auskunft über die Identität ihres genetischen Vaters verlangen können. Die entsprechenden Daten seien keine "Krankenunterlagen", in die die Klägerin Anspruch auf Einsicht hätte. Zudem gebe es im vorliegenden Fall keinen Anlass von dem vom Bundesgerichtshof aufgestellten Grundsatz abzuweichen, wonach dem Auskunftsrecht des Kindes als Ausfluss seines allgemeinen Persönlichkeitsrechts der Vorrang einzuräumen sei gegenüber dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht der Spender, denen die Behandler Anonymität zugesichert hätten.

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