Otto Warmbiers Eltern wollen keine Autopsie von dessen Leiche

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Nach dem Tod des amerikanischen Studenten Otto Warmbier haben die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea einen weiteren, schweren Rückschlag erlitten. Erst vorletzte Woche wurde der Nordkorea-Beauftragte des US-Aussenministeriums, Joseph Yun, darüber informiert, dass Warmbier seit Monaten im Koma liege. Das erklärte die Familie in einer Stellungnahme, die die Universitätsklinik von Cincinnati am Montag (Ortszeit) veröffentlichte. Er habe mit den Augen blinzeln können. Anzeichen dafür, dass er die verbalen Signale um sich herum verstand, gab es jedoch nicht. Die amerikanischen Ärzte halten diese Schilderung nicht für glaubwürdig, da sie bislang keinerlei Hinweise auf eine Vergiftung gefunden haben. Sie nannten auch keine Todesursache.

Ein hochrangiger amerikanischer Beamter hatte zuvor die Vermutung geäußert, dass Warmbier während der Haft misshandelt worden sei.

Wie genau die Antwort aussehen könnte, sagte Trump noch nicht.

US-Ärzte haben kurz nach der Untersuchung erklärt, dass solche Schäden aus einem Atemstillstand resultieren und die Blutzufuhr zum Gehirn für eine längere Zeit unterbrochen wird. Der Grund dafür sei aber unklar.

Das ist anzunehmen. Zum einen, so zynisch das klingt, kommt das Drama um den Studenten dem US-Präsident gerade recht, um sich jetzt vor seiner Nation zu profilieren. Wärter hätten ihm daraufhin eine Schlaftablette gegeben, woraufhin er das Bewusstsein verloren habe und nicht mehr erwacht sei. Die nordkoreanischen Behörden ließen ihn daraufhin verhaften und stellten ihn vor Gericht. Botulismus, auch Fleischvergiftung genannt, ist eine Vergiftung durch verdorbenes Fleisch oder nicht fachgerecht eingekochtes Gemüse.

In der vergangenen Woche sagte Fred Warmbier, er glaube, sein Sohn habe gekämpft, um am Leben zu bleiben und zurückkehren zu können. Angeblich erlitt er eine Nahrungsmittelvergiftung und erhielt danach Schlafmittel, woraufhin er nicht mehr aufwachte. Die USA selbst unterhalten mit Nordkorea keine diplomatischen Beziehungen. Im Zusammenhang mit dem Fall des 22-jährigen US-Studenten geriet Young Pioneer Tours in die Kritik. Dessen Regierung habe seine Familie zur Zurückhaltung aufgerufen. Zwanzig Mal, sagt der Demokrat, habe er nordkoreanische Emissäre seit der Festnahme Warmbiers getroffen. Die Trump-Regierung hat sich anscheinend stärker für den Studenten eingesetzt und schliesslich am 13. Juni unter Vermittlung schwedischer Diplomaten Warmbiers Freilassung erreicht. Zwei von ihnen sind auch weiterhin in nordkoreanischer Haft.

Seine Eltern haben der Obama-Regierung mangelndes Engagement für die Freilassung ihres Sohnes vorgeworfen und erklärt, sie seien von Washington zum Stillhalten gedrängt worden (Link).

Nordkorea ist für seine furchtbaren Haftbedingungen bekannt. Die Verhältnisse seien ärmlich gewesen, das Essen bescheiden, aber sie mussten nicht wie verurteilte Nordkoreaner ins Arbeitslager, wo Hunger herrscht und gefoltert wird, sondern wurden in Pyongyang festgehalten. Als einer der wenigen Anbieter organisiert sie Tauch- und auch Radtouren in Nordkorea, wirbt damit, einen dorthin zu bringen, wo noch nie zuvor westliche Reisende gewesen seien, zum Beispiel im von Pjöngjang fernen und weitaus schlechter zugänglichen Nordosten des Landes nahe der chinesischen und russischen Grenze.

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