Zeitung: Nun auch Trump-Schwiegersohn im Visier

Einstellen Kommentar Drucken

Trump hatte Comey am 9. Mai entlassen. In der Nacht zum Donnerstag schien sich das zu bewahrheiten.

USA ⋅ Der US-Sonderermittler Robert Mueller hat der "Washington Post" zufolge Ermittlungen gegen US-Präsidenten Donald Trump aufgenommen.

Hat die Entwicklung eine neue Qualität? Mit Spannung wird erwartet, ob auch der Präsident selbst tatsächlich zu einer Aussage unter Eid bereit sein wird, wie er unlängst auf einer Pressekonferenz versprach. Zuletzt hatte es den Anschein, dass der Vorwurf einer persönlichen Verstrickung Trump nicht wirklich gefährlich werden würde.

Die Kongressrepublikaner, die den Präsidenten bislang in Schutz genommen haben, fürchten nichts mehr als das letztere: Die Undurchsichtigkeit der Geschäfte von Trump und seinem Schwiegersohn Jared Kushner beunruhigt die Parteispitzen zutiefst und könnte Trump nach Ansicht seiner Verteidiger auf dem Kapitolshügel in schwere Bedrängnis bringen. Offensichtlich jedoch hat Mueller, ein erfahrener Ermittler und ehemaliger FBI-Direktor, genügend Indizien, um den amtierenden Präsidenten ins Fadenkreuz zu nehmen. Bei seiner Vernehmung gab er an, vom Präsidenten gedrängt worden zu sein, die Ermittlungen gegen dessen kurzzeitigen Nationalen Sicherheitsberater einzustellen.

Was hatte Comey zu dem Fall gesagt?

Donald Trump sagte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters einmal, dass er sich den Job des Präsidenten einfacher vorgestellt habe. Ob er mit Trump über die Entlassung gesprochen habe?

Comey hatte auch detailliert über Gespräche mit dem Präsidenten berichtet, in denen dieser ihn gebeten habe, von den Ermittlungen gegen Flynn abzulassen.

Das ist nicht ganz klar. Demnach soll Trump vor drei Monaten versucht haben, Coats und Rogers dazu zu bewegen, öffentlich zu verkünden, die Geheimdienste verfügten über keine Beweise für die Behauptung, Trump-Berater hätten im vorigen Jahr mit russischen Regierungsstellen zusammengearbeitet, um den Ausgang der Wahl zu beeinflussen.

Comey sagte, er sei darauf nicht eingegangen. Über die Inhalte wurde bisher kaum etwas bekannt. Dies berichtete die "Washington Post" am Mittwochabend. Das Gerücht über einen solchen Schritt war von einem Trump-Freund in die Welt gesetzt worden.

Kann der Präsident den Sonderermittler feuern? Trump hätte aber die Möglichkeit, ihn dazu anzuweisen.

Es ist natürlich reiner Zufall, dass sich der Einbruch im Hauptquartier der Demokraten, mit dem einst der Watergate-Skandal begann, in diesen Tagen zum 45. Wen Trump meint, blieb offen.

Ein chinesischer Experte hält Trump für diplomatisch "unreif". Dafür gibt es bisher keine Hinweise, auch wenn sich mehrere Ausschüsse des Parlaments mit der Russland-Affäre befassen. Trump sieht sich als Opfer.

Die Ermittlungen gegen Trump persönlich stellen eine dramatische Wende in der Russland-Affäre dar. Wie andere Vertreter der US-Regierung antwortete er außerdem auf alle Trump betreffenden Fragen nicht oder ausweichend. Er musste nach kurzer Zeit im Amt gehen, weil er Vizepräsident Mike Pence über Kontakte zum russischen Botschafter in Washington im Unklaren ließ. Zudem solle auch überprüft werden, ob das Justizministerium im vergangenen Jahr rechtswidrig versuchte, die Ermittlungen in der E-Mail-Affäre um Hillary Clinton kleinzureden. Und wer Trump ablehnt, dem geht es ebenso.

Comments