Immer weniger Jobs für Menschen mit mittlerer Qualifikation

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Die großen Unterschiede spalten nach Meinung der Experten die Gesellschaften in den Industrieländern.

Wie hat sich der Arbeitsmarkt in der OECD (=Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) entwickelt? "Die Einkommensungleichheit ist beispiellos im Moment und gefährdet den sozialen Zusammenhalt", sagte OECD-Generalsekretär Ángel Gurría am Dienstag bei einer Konferenz in Berlin.

Laut OECD ist das Einkommensgefälle auf dem höchsten Stand seit 50 Jahren.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zeigte sich optimistisch, "dass der Transformationsprozess der Digitalisierung und Globalisierung gut gemeistert werden kann". Die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung im OECD-Raum verdienen nun mehr als das Neunfache der ärmsten zehn Prozent. Vor einem Vierteljahrhundert war es nur siebenmal so hoch. Das sind schlechte Nachrichten für Facharbeiter, also Menschen mit niedriger Qualifikation. Dies sei in fast allen Industrieländern zu beobachten. Österreich ist von dieser Entwicklung besonders stark betroffen. Ihr Anteil sank bis 2015 innerhalb von 20 Jahren um 9,5 Prozentpunkte im Durchschnitt der 35 OECD-Staaten. Der Anteil an Arbeitsplätzen für hoch und gering qualifizierte Arbeitskräfte stieg zwischen 1995 und 2015 dagegen an. Dafür gibt es mehr Jobs für Hoch-, aber auch für Geringqualifizierte.

Tiefgreifender technologischer Wandel ist laut OECD die Hauptursache für die "Beschäftigungspolarisierung".

Rund ein Drittel der Polarisierung entsteht dadurch, dass Beschäftigung vom verarbeitenden Gewerbe zu Dienstleistungen wandert.

Das habe gravierende Folgen: Die Menschen in den Industrieländern machten sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz, niedrigere Einkommen und das Abrutschen aus der Mittelschicht. Doch beklagt die OECD einen großen Niedriglohnsektor. In Deutschland ist der Trend weniger stark ausgeprägt. "Wir unterstützen Sie", pflichtete OECD-Chef Gurría bei. Die OECD empfiehlt aktive arbeitsmarktpolitische Maßnahmen und Kurzarbeitprogramme für Krisenzeiten.

Am Dienstagabend will Andrea Nahles in Prenzlau mit den Menschen aus der Region über die aktuelle Renten- und Arbeitsmarktpolitik diskutieren. "Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer bekommt ein Startguthaben", sagte Nahles. Es sei in den vergangenen Jahren gelungen, mit der Einführung des Mindestlohns die prekäre Beschäftigung zurückzudrängen. Überdies warb Nahles für den Plan, für Arbeitnehmer ein Konto mit bis zu 20 000 Euro einzurichten (siehe untenstehende Meldung).

Nahles schlug ein persönliches Erwerbstätigenkonto mit 20 000 Euro Guthaben für jeden über 18-Jährigen ein, der eine Arbeit aufnimmt. Die Ministerin sprach sich auch dafür aus, die Bundesagentur für Arbeit zur zentralen Einrichtung für Weiterbildung auszubauen.

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