Bob Dylan wegen Nobel-Vorlesung unter Plagiatsverdacht

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Juni hielt Bob Dylan seine mit Spannung erwartete Nobelpreis-Rede - sie ist laut Statuten der Nobel-Stiftung Pflicht für jeden Nobelpreisträger. Tatsächlich aber scheinen sie, so Pitzers These, von der Website SparkNotes genommen zu sein, dem Online-Äquivalent der "CliffsNotes", einer berühmten amerikanischen Reihe von Interpretationshilfen für Schüler (vergleichbar mit der Interpretationshilfe von Reclam). Dylan sprach in der "Nobel Lecture in Literature" über drei Bücher, die seine Kindheit prägten: Die "Odyssee", "Im Westen nichts Neues" von Erich Maria Remarque und "Moby Dick" von Herman Melville. Er sei ein wichtiger Einfluss gewesen, führte Dylan aus, und paraphrasierte einige Textpassagen. Die Autorin Andrea Pitzer verdächtigt den Literaturnobelpreisträger, in seiner Vorlesung zur Entgegennahme des Preises von einer Website abgekupfert zu haben, die Literaturklassiker für Schüler zusammenfasst und interpretiert.

Dylan hatte seine Rede nicht in Stockholm gehalten, sondern sie acht Monate nach seiner Kür zum Nobelpreisträger der Schwedischen Akademie in schriftlicher Version und als Tonaufnahme zugeschickt. Der Musiker erhielt im April diesen Jahres den Nobelpreis für Literatur, jetzt veröffentlichte er 30 Minuten seiner Dankesrede. Darin nennt er "Moby Dick" als eines der literarischen Werke, die ihn inspirierten. Die 76-jährige US-Rock- und Folklegende wahrte damit jedoch die Frist und sicherte sich so das Preisgeld. Laut Pitzer stammt dieses Zitat nicht aus dem Roman, wohl aber sei die Formulierung von "SparkNotes" benutzt worden.

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